Anbernic RG Rotate im Test: Handheld mit drehbarem, quadratischem Display

Was ist das eigentlich für ein Gerät? Eine Spielekonsole, ein Mini-Mediaplayer, eine super fancy Taschenuhr? Ich würde sagen: irgendwie alles davon gleichzeitig. Heute geht es um den Anbernic RG Rotate und ich habe das Gerät ausführlich getestet – nicht nur auf dem Schreibtisch, sondern wirklich dabei, in der Jackentasche, im Rucksack, auf dem Sofa. Und dabei habe ich Dinge entdeckt, die mir beim ersten Blick nicht aufgefallen sind.

Technische Daten

ChipUnisoc T618
RAM/Speicher3 GB RAM, 32 GB interner Speicher, microSD-Kartenslot
Display3,5 Zoll, quadratisch, 720 × 720 Pixel, dreht sich
KonnektivitätWLAN, Bluetooth 5.0
Preisca. 88 $ (Kunststoff) / ca. 108 $ (Vollmetall), jeweils zzgl. Versand und Zoll

Der Chipsatz ist für diese Geräteklasse mehr als ausreichend. Beim Preis lohnt sich ein Blick auf die regelmäßigen Aktionen von Anbernic, sowohl im eigenen Shop als auch auf AliExpress, bevor ihr den vollen Preis zahlt.

So habe ich das Gerät eingerichtet

Anbernic RG Rotate mit RG Launcher in der Hand

Der Unterschied zwischen einem unbefriedigenden und einem richtig guten Erlebnis hängt stark davon ab, wie ihr das Gerät einrichtet. Ich habe die vorinstallierten Emulatoren komplett entfernt und alles neu aufgesetzt. Als Front-End verwende ich den RG Launcher – gerade bei Einsteigergeräten ist der übersichtlich, einfach zu verstehen und umfasst alles, was nötig ist. Bei Bedarf könnt ihr natürlich auch auf EmulationStation oder Daijisho wechseln. Ich habe nur die Emulatoren eingerichtet, die ich wirklich nutzen wollte, der Rest wurde gelöscht, um mich nicht mit unnötigen Details abzulenken. Primär gezockt habe ich SNES, Game Boy und Game Boy Advance, testweise auch PlayStation 1 und PSP.

Das quadratische Display: der große Clou

Game Boy Color Emulation auf dem quadratischen Display des Anbernic RG Rotate

Ein quadratisches 720×720-Display klingt auf dem Papier nach einer Nische, und das ist es auch – aber eine richtig gute. Systeme wie Game Boy und Game Boy Color passen von Haus aus perfekt auf diesen Screen, da die originalen Displays dieser Konsolen selbst ein annähernd quadratisches Format hatten. Keine lästige Konfiguration, einfach starten und spielen. Selbst bei Konsolen wie NES oder SNES gibt es einen Trick in RetroArch, mit dem ihr das Bild nahezu perfekt auf den Bildschirm bekommt: Seitenverhältnis auf 8:7 stellen und in den Skalierungsoptionen das Overscaling aktivieren. Auch ohne diesen Trick sieht es richtig fantastisch aus, die Balken sind wirklich minimal. Farben, Kontraste und Helligkeit sind für diese Preiskategorie richtig toll.

Emulation: Mehr Power als gedacht

PlayStation 1 Emulation auf dem Anbernic RG Rotate

Der RG Rotate ist einer der kompaktesten Android-Handhelds auf dem Markt und bringt dabei ordentlich Emulationspower mit. PlayStation 1 läuft oft problemlos in dreifacher Auflösung, hochskaliert und sieht dabei richtig gut aus. Falls ein Spiel das Gerät mal stärker fordert, reicht es meist, die Skalierung zu reduzieren.

N64 Emulation auf dem Anbernic RG Rotate

N64 ist ebenfalls spielbar, allerdings ohne Analogsticks, was bei vielen Titeln eine spürbare Einschränkung ist. Dafür gibt es einen Workaround: Power-Taste und Lautstärke hoch gleichzeitig drücken aktiviert einen virtuellen Analogmodus auf dem Steuerkreuz. Für Rennspiele oder einfache Genres funktioniert das akzeptabel, für Plattformer eher weniger. GameCube und PlayStation 2 sind nur vereinzelt spielbar, leichte Titel können funktionieren, 3D-intensive Spiele hingegen nicht – hier solltet ihr keine falschen Erwartungen haben. Die absoluten Highlights bleiben Game Boy, Game Boy Advance und SNES: Das Gerät ist so handlich und hat trotzdem alle nötigen Bedienelemente, einfach aus der Hosentasche gezogen und losgezockt.

Mehr Mediaplayer als gedacht

YouTube auf dem Anbernic RG Rotate als Mediaplayer

Was mich wirklich überrascht hat: Ich habe den RG Rotate genauso oft als Mediaplayer genutzt wie als Spielekonsole – für Musik, YouTube oder mal eine alte Serie. Das Gerät hat dabei seinen eigenen Charme, gerade weil man dank Touchdisplay gar nicht oft aufklappen muss, sondern alles mit den Fingern bedienen kann.

Was mich im Alltag gestört hat

Der leicht hervorstehende Einschaltknopf des Anbernic RG Rotate
  • Akku: Nur 2.000 mAh, in dieser Kategorie tatsächlich etwas wenig. 4 bis 5 Stunden Laufzeit bei gemischter Nutzung, ein 3.000-mAh-Akku hätte für mehr Entspannung gesorgt.
  • Einschaltknopf: Steht leicht aus dem Gehäuse hervor und lässt sich in der Tasche, im Rucksack oder im mitgelieferten Beutel zu leicht unbeabsichtigt drücken. Das Gerät hat sich bei mir mehrfach von selbst eingeschaltet, was Akku verbraucht und Wärme produziert.
  • Audio: Der Lautsprecher strahlt nach hinten aus, der Klang geht buchstäblich von euch weg. Einen 3,5-mm-Klinkenanschluss gibt es nicht, Kopfhörer laufen nur über USB-C- oder Bluetooth-Adapter – und damit auch über spürbare Latenz.
  • Interner Speicher: 32 GB klingen nach viel, werden aber als Multimedia-Tool schnell eng, da Caches und Mediaplayer-Daten dort landen. 64 GB hätten hier die Lösung geboten.
  • Wärmeentwicklung: Nicht dramatisch, aber beim Zocken durchaus spürbar vorhanden.

Mein Fazit

Nach intensiver Nutzung ist mein Urteil eindeutig positiv, aber mit ein paar Einschränkungen. Der RG Rotate ist ideal, wenn ihr ein kompaktes Android-Gerät sucht, das ihr täglich dabei haben wollt, das spontan aufgeklappt werden kann, das neben Retrogaming auch als Mediaplayer funktioniert und das dabei etwas Besonderes ist – und nicht nur ein weiterer rechteckiger Klotz in einer langen Reihe von Handhelds. Es ist nichts für euch, wenn ihr lange Sessions ohne Steckdose plant, gute Lautsprecher wichtig findet oder hauptsächlich 3D-Titel ab GameCube bzw. PlayStation 2 spielen möchtet.

Habt ihr den RG Rotate auf dem Radar oder setzt ihr lieber auf die ganz klassischen Geräte?
Lasst uns darüber auf meinem Discord-Channel diskutieren.

Diese Seite kann Affiliate-Links enthalten. Sofern du über einen Affiliate-Link etwas kaufst, bekomme ich eine kleine Provision. Dabei enstehen dir keinerlei Mehrkosten.

Weitere Artikel wie diesen findest du auf HandheldBOSS und passende Videos auf YouTube.

Teile diesen Inhalt: