Danke, Nintendo: Warum die Switch 2 gerade abliefert, während die Konkurrenz strauchelt
Vor gut einem Jahr habe ich mein Review zur Switch 2 mit einem Satz beendet, an den ich in den letzten Tagen oft denken musste: Ich will die Kritikpunkte gar nicht abstreiten – aber wenn ich oder jemand anderes mit dem Gerät Spaß hat, dann ist das so. Und das ist meiner Meinung nach das Wichtigste. Genau darum geht es heute.

Das hier ist kein Test, kein Vergleich und kein Review. Ich möchte mich einfach mal bedanken – bei einer Firma, über die ich mich in den letzten Jahren oft genug geärgert habe. Denn was diese Woche an zwei Tagen hintereinander passiert ist, muss man erst mal sacken lassen. Und wenn man dann schaut, was bei der Konkurrenz los ist und was ein vernünftiger Gaming-Handheld mittlerweile kostet, kommt man aus dem Kopfschütteln kaum noch raus.
Gleich vorweg: Das wird keine Lobhudelei. Der Preis der Switch 2 ist gerade erst gestiegen, die Spiele sind selten im Angebot, und über die Grafik des Ocarina-of-Time-Remakes wird heftig gestritten – teilweise mit richtig guten Argumenten. All das kommt hier vor. Danke heißt nicht kritiklos. Man darf sich über etwas freuen und trotzdem den Finger in die Wunde legen.
Zwei Directs an zwei Tagen
Am Dienstagabend gab es eine knapp halbstündige Direct nur zum 40. Geburtstag von Zelda. Am Mittwoch folgte direkt eine ganz normale Nintendo Direct mit rund 45 Minuten, in der mehr als 50 Spiele gezeigt wurden. Die komplette Liste findet ihr überall – ich sage euch lieber, worauf ich mich persönlich am meisten freue:
- Ocarina of Time Remake – dazu gleich ausführlich
- Das neue Professor Layton am 10. Oktober – das erste richtige Layton seit über einem Jahrzehnt
- Yo-kai Watch 2, auf das ich mich ganz besonders freue
- Das neue Kirby, diesmal in einer offenen Welt

Und diese Liste ist eigentlich das perfekte Beispiel für das, was ich meine: Gefühlt freut man sich auf alles. Es ist nicht dieses eine große Spiel, auf das man zwei Jahre wartet und von dem alles abhängt. Es ist ein ganzer Stapel – und alle paar Monate legt Nintendo ordentlich nach.
Die Third-Party-Titel sind der eigentliche Hammer

Resident Evil 2, 3 und 4 im Oktober, The Witcher 3 als Remaster, Monster Hunter Wilds im Dezember, dazu Final Fantasy VII, Kingdom Come: Deliverance II, Persona 4 Revival und Persona 6. Das sind keine zehn Jahre alten Ports – das sind Spiele, bei denen man vor zwei Jahren noch gelacht hätte, wenn jemand gesagt hätte, dass sie mal auf einer Nintendo-Konsole laufen.
Die Preiserhöhung – und warum 30 Euro trotzdem bemerkenswert sind
Jetzt zum Geld. Die Switch 2 ist nicht preisstabil geblieben: Zum 1. September ist sie um 30 Euro teurer geworden, angekündigt hatte Nintendo das schon im Mai. Das ist ärgerlich, keine Frage. Ich habe meine Switch 2 zum Release gekauft, mich betrifft es also nur bedingt – und es stört mich nicht, weil mir die Konsole Spaß macht.
Um das einzuordnen, muss man verstehen, warum das passiert: Wir stecken mitten in einer Speicherkrise. KI-Rechenzentren saugen den Markt für RAM und SSDs leer, die Preise explodieren, und das trifft jeden, der Hardware baut. Das ist kein Nintendo-Problem, sondern ein Branchenproblem.

| Konsole | Preisaufschlag 2026 |
|---|---|
| Nintendo Switch 2 | +30 € (ca. +6 %) |
| Xbox Series S (512 GB) | +150 € (von 350 auf 500 €, über +40 %) |
| PlayStation 5 | aktuell rund 650 € |
Genau deshalb finde ich die 30 Euro am Ende doch bemerkenswert. Nicht, weil Nintendo großzügig wäre – eine Preiserhöhung bleibt eine Preiserhöhung. Sondern weil die anderen Hersteller in derselben Krise mehrere hundert Euro draufschlagen und Nintendo bei 30 bleibt. Und ganz ehrlich: Die Xbox Series S kostet damit heute genauso viel wie eine Switch 2. Für dasselbe Geld bekommt ihr auf der einen Seite ein Gerät, dessen Zukunft gerade ungewiss ist und auf dem viele Spiele nur mit Abstrichen laufen – und auf der anderen Seite eines, auf das in den nächsten Monaten Resident Evil, Witcher 3, Monster Hunter, Metroid und Zelda kommen. Und das ihr auch noch mitnehmen könnt.
Xbox und Sony: Unsicherheit statt Aufbruch
Bei Microsoft war 2026 ohnehin brutal. Im Juli hat der Konzern rund 4.800 Stellen gestrichen, ein großer Teil davon in der Gaming-Sparte – bei Xbox selbst reden wir von etwa 3.200 Stellen, und die Kürzungen laufen bis Ende des Geschäftsjahres 2027 weiter. Unterm Strich ist das der größte Umbau in der Geschichte von Xbox. Für uns Spieler heißt das vor allem: Unsicherheit. Man weiß schlicht nicht, wo die Marke in drei Jahren steht, welche Studios noch dabei sind und was aus der Hardware wird.
Ich sage das übrigens nicht mit Häme. Ich habe selbst eine Series S, und gerade der Preis in Verbindung mit den häufigen Deals hat die Konsole damals super interessant gemacht. Außerdem baut Xbox für mich die besten Controller. Es macht mir keinen Spaß, dass ausgerechnet der Hersteller mit dem jahrelang kundenfreundlichsten Abo gerade so dasteht.
Bei Sony sieht es anders aus, aber nicht unbedingt schöner: Anfang Juli wurde angekündigt, dass ab Januar 2028 keine neuen PlayStation-Spiele mehr auf Disc erscheinen – neue Titel gibt es dann nur noch digital oder als Download-Code im Karton. Eure vorhandene Sammlung ist davon nicht betroffen: Das Laufwerk funktioniert weiter, alte Discs laufen weiter, ihr könnt sie verkaufen und verleihen. Im Umkehrschluss heißt das aber: Wer 2028 eine PS5 mit Laufwerk kauft, bekommt keine aktuellen Spiele mehr auf Disc. Das ist in sich widersprüchlich – und so reagiert auch die Community.
Meine Switch-Sammlung läuft einfach weiter

Schon in meinem Steam-Machine-Test habe ich erklärt, warum eine große Bibliothek, die einfach weiterläuft, so viel wert ist – und das passt heute noch besser. Bei neuen Konsolen ist Abwärtskompatibilität jedes Mal ein Thema, und bei Sony weiß man inzwischen nicht mal mehr, wie es mit Discs weitergeht. Bei Nintendo ist das gerade anders: Meine komplette Switch-Sammlung läuft auf der Switch 2 weiter, in vielen Fällen sogar spürbar besser. Modul rein, läuft. Ich musste nichts neu kaufen und nichts freischalten. Dafür gibt es in keiner Direct Applaus – aber genau diese Verlässlichkeit fällt einem erst auf, wenn sie woanders wegbricht.
Switch 2 vs. das aktuelle Handheld-Regal

Auf diesem Kanal ist der naheliegendste Vergleich natürlich der mit anderen Handhelds – denn die Switch 2 fühlt sich für mich vor allem wie ein Handheld an. Und so sieht das Regal gerade aus:
| Gerät | Preis (Stand September 2026) |
|---|---|
| Nintendo Switch 2 | 499 € |
| Xbox Ally X | 800–900 €, Tendenz steigend |
| Steam Machine | ab 1.039 € (512 GB) |
| MSI Claw 8 EX AI+ | ca. 1.650 € |
| Lenovo Legion Go 2 | je nach Ausstattung bis 2.500 € |
Selbst wenn man sich gebraucht einen ROG Ally X für etwa 550 bis 700 Euro holt, ist der Abstand zur aktuellen Windows-Handheld-Generation so groß, dass man sich noch eine Switch 2 dazukaufen könnte – oder sogar zwei. Klingt witzig, ist es aber eigentlich nicht.
Ich will damit nicht behaupten, dass eine Switch 2 eine Claw 8 ersetzt. Tut sie nicht. Die Rohleistung spielt in einer völlig anderen Liga, Emulation ist ein Argument für sich, und wer seine Steam-Bibliothek unterwegs spielen will, kommt an einem Windows- oder Linux-Handheld nicht vorbei. Ich habe all diese Geräte hier und mag sie auch. Aber: Für 500 Euro bekommt ihr ein Gerät, auf dem im Oktober drei Resident-Evil-Remakes erscheinen, im November Ocarina of Time und im Dezember Monster Hunter Wilds. The Witcher 3 bekommt eine aufgehübschte Version, Kingdom Come: Deliverance II erscheint, davor gab es Elden Ring – und man kann sogar Gothic auf der Switch zocken. Vor ein paar Jahren hätte ich darüber gelacht. Die Switch 2 ist damit gerade das mit Abstand günstigste Gerät in meinem Regal, auf dem echte, aktuelle AAA-Spiele laufen.
Einfach anmachen und spielen

Und dann gibt es einen Punkt, der in keiner Direct vorkommt und den man einfach hinnimmt: Modul rein, Start drücken, spielen. Fertig. Kein Launcher, kein Treiber, kein Update, das erst mal 40 Minuten laufen muss.
Auch bei den Größen ist der Unterschied enorm: Das Ocarina-of-Time-Remake soll ungefähr 27 GB groß sein. Call of Duty: Black Ops belegt auf der PS5 über 130 GB, am PC mindestens 116 GB – und das sind Release-Zahlen ohne spätere Updates. Bei manchen Titeln landet ihr schnell bei 200 GB für ein einziges Spiel. Auf einem Windows-Handheld ist das Alltag: Ihr steckt eine teure SSD rein, und nach vier Spielen ist sie voll.
Dazu kommt das, was mich bei Windows-Handhelds am meisten Zeit kostet: Ihr installiert ein Spiel, und dann geht es los. Treiber-Updates, läuft der Shader-Cache, muss die TDP hoch, warum ruckelt es trotz 30 Watt, warum startet das Spiel im Hochformat, welches Grafik-Preset soll ich nehmen? Gefühlt sitzt man Stunden an den Einstellungen, bevor die erste Spielminute vergeht. Für meine Videos mache ich das gerne – für jemanden, der nach der Arbeit einfach eine Stunde zocken will, ist das ein Ausschlusskriterium. Spätabends, wenn die Kinder im Bett sind, noch 20 oder 30 GB ziehen zu müssen, weil man den Handheld nicht nebenbei laufen lassen hat – wie oft ist mir das passiert?
Nintendo hat den Vorteil, dass es nur eine einzige Hardware gibt, für die alle entwickeln. Das ist der Vorteil eines geschlossenen Systems, den wir mit etwas weniger Freiheit bezahlen. Aber das Ergebnis merkt man. Deshalb liegt die Switch 2 bei mir nicht im Regal, während die teuren Handhelds eher dort stehen – nicht weil sie besser ist, sondern weil sie mich nichts kostet außer der Zeit, die ich tatsächlich spiele.
Der Streit um das Ocarina-of-Time-Remake

Das Thema, das gerade die größten Wellen schlägt: Das Ocarina of Time Remake erscheint am 5. November für die Switch 2, und seit der Direct streitet sich das Internet über nichts so sehr wie über den Grafikstil. Nintendo geht deutlich realistischer ran als beim Original, und vor allem Link sieht anders aus, als viele ihn im Kopf haben.
Mich stört es nicht – ich finde die Grafik sogar richtig schick. Einzig Links Gesicht ist für mich etwas gewöhnungsbedürftig, aber auch das ist kein Beinbruch. Und jetzt kommt der Teil, der mir am wichtigsten ist: Wenn ihr das anders seht, ist das völlig okay. Ich will niemandem seine Kritik verbieten und halte nichts davon, Leute als Nörgler abzustempeln, nur weil sie mit einem Artstyle fremdeln. Je wichtiger einem ein Spiel ist, desto verbundener ist man damit – und desto empfindlicher wird man bei jeder Kleinigkeit. Ocarina of Time ist für viele nicht einfach ein Spiel, sondern ein Stück Kindheit.
Bei mir war das ganz genauso, nur mit einem anderen Spiel. Als im Juni das Gothic 1 Remake erschien, musste das für mich irgendwie perfekt werden. Gothic hat mich geprägt, und ich habe bei jedem Trailer genau hingeschaut: Stimmt die Atmosphäre, passen die Stimmen, fühlt sich das Minental richtig an? Ich war oft skeptisch – am Ende aber glücklich und erleichtert. Und die Reaktionen waren ganz ähnlich wie jetzt bei Zelda: Die Presse war gespalten, und in der Community hieß es sinngemäß, man liebt es oder man hasst es.
Wer also sagt, dieses Ocarina of Time sieht für ihn falsch aus, hat für sich recht. Das ist kein Fanboy-Streit, sondern eine persönliche Beziehung zu einem Spiel, und die ist bei jedem anders. Man muss daraus nur nicht ableiten, dass insgesamt etwas schiefläuft. Trotzdem finde ich: Auch als Kritiker sollte man dem Remake eine Chance geben und die Welt auf diese neue Art noch einmal erleben. Wer weiß – vielleicht ist es besser als erwartet.
Was mich an der Switch 2 weiterhin stört
Damit niemand denkt, ich sei plötzlich zum Nintendo-Prediger geworden – diese Punkte stören mich nach wie vor:
- Keine Hall-Sensoren in den Joy-Cons: Obwohl sie günstig zu verbauen sind – GuliKit hat es vorgemacht. Stick-Drift ist ein großes und gleichzeitig gelöstes Problem. Bei einem Gerät für 500 Euro erwarte ich das einfach.
- Game-Key-Cards: Eine Karte im Karton, auf der die Spieldaten gar nicht drauf sind – genau diese Art von „halbphysisch“ stört mich persönlich.
Für mich sind das aber verzeihbare Punkte, wenn ich dagegenhalte, wie viel Spaß ich mit dem Gerät habe. Bei einem Windows-Handheld sitze ich Stunden an Konfiguration, Treibern und Grafikeinstellungen. Bei der Switch 2 ärgere ich mich über einen fehlenden Hall-Sensor – und spiele dann trotzdem drei Stunden am Stück. Diesen Unterschied vergisst man beim Aufzählen von Kritikpunkten leicht.
Fazit: Danke, Nintendo

Fassen wir zusammen: Nintendo hat die Switch 2 um 30 Euro verteuert, während bei der Konkurrenz in derselben Krise mehrere hundert Euro draufkamen. Bei Microsoft sind tausende Stellen weggefallen, bei Sony gibt es ab 2028 keine neuen Spiele mehr auf Disc. Und Nintendo stellt sich an zwei Tagen hin und zeigt 50 bis 60 Spiele – darunter Resident Evil, Witcher 3, Monster Hunter, Metroid, Kirby, Layton und Ocarina of Time.
Deshalb dieser Beitrag. Nicht, weil Nintendo alles richtig macht, sondern weil sie gerade als Einzige einfach abliefern, während die anderen mit sich selbst beschäftigt sind. Und weil ein 500-Euro-Gerät, das ohne Treiberkonfiguration und ohne 150-GB-Downloads auskommt, in diesem Markt etwas wert ist, das man in keiner Spec-Tabelle findet. Danke, dass man einfach Spaß am Zocken haben kann, ohne dass einem ständig Steine in den Weg gelegt werden. Man darf sich freuen und kritisch sein – beides gleichzeitig. Und ich finde, diese Woche dürfen wir uns einfach mal freuen.
Auf welche Ankündigung aus den beiden Directs freut ihr euch am meisten, wie findet ihr den neuen Grafikstil von Ocarina of Time – und würdet ihr euch heute eher eine Switch 2 für 500 Euro holen oder einen Gaming-Handheld?
Lasst uns darüber auf meinem Discord-Channel diskutieren – fair und respektvoll, das Thema ist kontrovers genug.
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