Blackview MEGA 5 im Test: 12 Zoll, 12+36GB RAM (48GB) – lohnt sich das Tablet?

Nach dem Blackview Table 10 gibt es heute wieder ein Tablet des Herstellers auf dem Kanal: das Blackview MEGA 5. Bei mir liegt die 256GB-Variante mit satten 48GB Arbeitsspeicher, dazu Cover, Tastatur, Maus und Stift direkt im Lieferumfang. Preisleistungstechnisch klingt das erstmal unfassbar gut – aber wie so oft steckt der Teufel im Detail, gerade bei der Emulation. Schauen wir uns das Ganze mal genauer an.

Blackview MEGA 5 Verpackung mit Aufdruck 256GB, 48GB RAM (12+36GB)

Unboxing & Lieferumfang: hier ist wirklich alles dabei

Schon beim Auspacken merkt man, dass Blackview hier nicht gegeizt hat. Im Karton liegen neben dem Tablet selbst eine Maus, eine Tastatur, ein Cover, ein Stift, Kopfhörer, ein Eject-Tool für den SIM-Kartenslot, ein Ladegerät samt USB-C-Kabel sowie eine vorinstallierte Displayschutzfolie. Bei vielen anderen Herstellern muss man einen Großteil davon separat dazukaufen – hier ist wirklich alles zur UVP direkt mit an Bord.

Preislich bewegen wir uns im mittleren Bereich, wobei es hier stark auf die genaue Speicher- und RAM-Variante ankommt, die ihr wählt – dazu aber später mehr im Fazit.


Betriebssystem & technische Daten

Unter der Haube läuft ganz klassisch Android, allerdings mit Blackviews eigenem Overlay Doke OS 5.0, das sich wie gewohnt aktualisieren lässt. In den Einstellungen findet ihr eine schöne Übersicht mit allen wichtigen Eckdaten auf einen Blick: Prozessor, RAM, Kamera und Akkukapazität.

Blackview MEGA 5 Geräteinfo-Bildschirm mit Prozessor, RAM, Kamera und Akku

Wichtig beim Thema RAM: Die auf der Verpackung beworbenen 48GB setzen sich aus 12GB physischem Arbeitsspeicher plus bis zu 36GB virtueller Erweiterung zusammen, die über den internen Speicher realisiert wird. Diese Erweiterung lässt sich manuell in den Einstellungen konfigurieren – ich habe sie für den Test auf das Maximum gestellt, um die Performance zu verbessern. Das ist ein bei Blackview durchaus gängiges Marketing-Muster, das man kennen sollte: Es sind eben nicht 48GB „echter“ Arbeitsspeicher, auch wenn das System am Ende so viel adressieren kann.

Einstellung der Arbeitsspeichererweiterung auf dem Blackview MEGA 5, bis zu 36GB

Als Prozessor kommt der Unisoc T7300 zum Einsatz, ein Mittelklasse-Chip, der schon fast in Richtung High-End geht – das aber bitte mit etwas Vorsicht genießen, denn wie ihr gleich im Emulation-Abschnitt seht, macht vor allem die Treiberunterstützung hier und da noch Probleme. Die Einstellungen selbst sind ansonsten erfreulich aufgeräumt: WLAN, Bluetooth, Mobilfunk (das Tablet hat ein waschechtes LTE-Modul inklusive SIM-Slot, ihr könnt es also auch als überdimensioniertes Handy nutzen), dazu klassische Android-Individualisierungsoptionen für Startbildschirm, Übergänge und Farbstil. Auch Features wie intelligentes Aufwachen per Tap-to-Wake funktionieren einwandfrei. Positiv fällt zudem auf, dass die Bloatware sich auf ein absolutes Minimum beschränkt – ein paar unaufdringliche App-Empfehlungen, die gar nicht erst installiert sind, das war’s schon.


Cover, Tastatur, Maus & Stift

Das mitgelieferte Cover lässt sich in mehrere Positionen falten und dient dabei sowohl als Aufstellhilfe als auch als Untergrund für die Tastatur. Der Aufstellwinkel ist wirklich fantastisch, und sobald ihr die Tastatur andockt, habt ihr quasi einen waschechten PC-Ersatz. Einzig eine magnetische Fixierung zwischen Cover und Tastatur fehlt mir hier – das wäre das i-Tüpfchen gewesen, ist aber wirklich meckern auf hohem Niveau angesichts dessen, was hier alles im Lieferumfang steckt.

Blackview MEGA 5 mit aufgeklapptem Cover neben Tastatur und Maus

Die Tastatur selbst ist erstaunlich dünn, an manchen Stellen kaum dicker als ein USB-C-Anschluss, und wird seitlich per USB-C aufgeladen. Layout-technisch ist sie eine QWERTY-Tastatur, was hierzulande erstmal etwas gewöhnungsbedürftig ist. Die Maus ist ebenfalls voll funktionsfähig mit Mausrad und zwei zusätzlichen Tasten, die Oberfläche fühlt sich angenehm matt an. Beim Stift hatte ich in meinem Exemplar leider einen Wackelkontakt beim Laden, sodass er nicht immer zuverlässig funktioniert hat – wenn er läuft, ist die Eingabe aber sauber und präzise. Das kleine Täschchen, das zusätzlich beiliegt, hat eine Öffnungsfunktion, über die man auf dem Sperrbildschirm sogar direkt Apps starten kann – nett gemeint, aber in der Praxis etwas unzuverlässig, weil man das Tablet beim normalen Zuklappen der Tasche schon mal versehentlich aktiviert.

Blackview MEGA 5 mit angeschlossener Tastatur und Maus, Startbildschirm

Android Gaming: hier macht das MEGA 5 richtig Spaß

Bei klassischen Android-Games läuft das Tablet richtig gut. In Asphalt konnte ich das Bildlimit auf 60 FPS stellen und selbst im Leistungsmodus lief das Ganze absolut fantastisch, ohne erkennbare Probleme. Lasst euch von den Warnhinweisen mancher Spiele, dass die Grafikleistung angeblich nicht ausreicht, nicht abschrecken – einfach ausprobieren, meistens funktioniert es trotzdem. Auch in Diablo Immortal läuft es insgesamt richtig gut, mit nur ganz vereinzelten Mini-Rucklern und stabilen Frames – wobei man bei der hohen Auflösung des Displays und etwas reduzierten Grafikeinstellungen hier und da eine leicht kriseligere Optik in Kauf nehmen muss. Grundsätzlich gilt: Ihr werdet die meisten Android-Titel spielen können, müsst bei den Grafikeinstellungen aber gegebenenfalls etwas runtergehen.

Grafikeinstellungen von Asphalt auf dem Blackview MEGA 5

Emulation: SNES läuft top, ab GameCube wird’s zäh

Kommen wir zum Kernthema für dieses Blog: der Emulation. Und hier muss ich leider sagen, dass die Erfahrungen ziemlich durchwachsen waren. Das liegt nicht grundsätzlich an mangelnder Rohleistung des Unisoc T7300, sondern vor allem an fehlender Treiberunterstützung – ein Problem, das ihr bei diesem Chip aktuell öfter seht.

SNES, Game Boy & Co.

Bei der ganz klassischen Retro-Emulation (SNES, Game Boy, Game Boy Advance, sogar N64) müsst ihr euch überhaupt keine Gedanken machen – das läuft hier komplett einwandfrei und absolut flüssig.

Super Mario World SNES-Emulation auf dem Blackview MEGA 5

GameCube

Hier wird’s schon deutlich zäher. Mit einem älteren Emulator-Stand ist mir fast jedes Spiel abgestürzt, nach einem Update auf die aktuelle Version ging es zumindest halbwegs. Bei einem grafisch etwas anspruchsvolleren Spiel wie Need for Speed Underground 2 funktioniert es aber wirklich nur in der einfachsten Auflösung, dazu kommen sichtbare Grafikglitches. Ich habe hier mehrere Stunden investiert und trotzdem nur ein „Ach und Krach“-Ergebnis erzielt – die Rohleistung wäre eigentlich da, aber treiberseitig hakt es spürbar.

Need for Speed Underground 2 per GameCube-Emulation auf dem Blackview MEGA 5

PlayStation 2

Auch bei der PS2-Emulation nutze ich die einfachste Auflösung, und selbst dann bewegt sich die Framerate bei einem fordernden Titel meist nur im Bereich von 20 bis 30 FPS, ganz vereinzelt Richtung 30 – von durchgehend flüssig kann hier keine Rede sein. Interessant dabei: Ein ähnlicher Unisoc-Chip (der T7200) läuft in anderen Geräten teilweise besser, was noch einmal unterstreicht, dass es hier eher an der Treiberoptimierung als am reinen Prozessor liegt. Bei weniger fordernden PS2-Titeln dürfte die Situation entsprechend besser aussehen.

PlayStation-2-Emulation mit FPS-Anzeige auf dem Blackview MEGA 5

Nintendo Switch

Zu guter Letzt die Switch-Emulation, bei der ihr euch die Mühe eigentlich fast sparen könnt – gleiches Problem wie bei GameCube und PS2, nur noch ausgeprägter. Allein der Start eines Spiels hat bei mir teilweise über zwei Minuten gedauert, ehe überhaupt das Hauptmenü erschien. Ingame ruckelt es dann spürbar, teils im Bereich von nur 12 bis 13 Frames. Es kann sein, dass ihr mit stundenlangem Treiber- und Einstellungs-Tuning ein einzelnes Spiel zum Laufen bekommt, aber als runde Erfahrung würde ich das nicht bezeichnen.

Switch-Emulation von Risen auf dem Blackview MEGA 5

Mein Fazit zur Emulation: Der einzige Bereich, bei dem ich wirklich Spaß hatte, war die klassische Retro-Emulation bis N64. Sobald es Richtung GameCube, PS2 oder Switch geht, bekommt ihr spürbar mehr Probleme und müsst ordentlich Zeit investieren, wenn ihr überhaupt etwas Spielbares hinbekommen wollt.


Streaming vom Steam Deck

Für alle, die das Tablet eher als Streaming-Zweitbildschirm nutzen wollen, habe ich auch das getestet. Die Eingabeverzögerung ist minimal und hält sich absolut im Rahmen, sowohl bei normalen Eingaben als auch bei Bewegungssteuerung. Das Einzige, was mir negativ aufgefallen ist: Das Bild wirkt etwas weicher bzw. „waschiger“ als direkt am Steam Deck – ob das an der Internetleitung liegt, kann ich nicht sicher sagen, auch wenn mein Netzwerktest (500-Mbit-Leitung) eine hervorragende Eignung bescheinigt hat.


PC-Modus: praktisch für zwischendurch

Sobald ihr eine Bluetooth-Tastatur verbindet, könnt ihr den PC-Modus aktivieren (bei mir automatisch beim Koppeln). Ihr bekommt dann echtes Fenster-Multitasking mit App-Drawer, könnt Fenster frei verschieben und nebeneinander anordnen – zum Beispiel Browser und ein Schreibprogramm parallel. Nicht jede App ist damit kompatibel, aber die wichtigsten Tools funktionieren einwandfrei. Hin und wieder gibt es kleine Bluetooth-Verbindungsaussetzer, und das mitgelieferte Tastaturlayout ist gewöhnungsbedürftig – für einen produktiven Vollzeit-Einsatz würde ich euch daher eine separate, ordentliche Tastatur empfehlen. Für gelegentliches Arbeiten zwischendurch reicht das mitgelieferte Set aber locker.

PC-Modus mit Fenster-Multitasking auf dem Blackview MEGA 5

Technische Daten des Blackview MEGA 5 im Überblick

MerkmalSpezifikation
Display12,2 Zoll IPS, 1600 x 2400 Pixel, 120 Hz, bis zu 550 Nits
ProzessorUnisoc T7300 (Octa-Core, 6nm)
RAM12GB physisch + bis zu 36GB virtuelle Erweiterung = bis zu 48GB (Marketing)
Speicher256GB (UFS 3.1), per TF-Karte erweiterbar
Kamera16MP Rückkamera, 13MP Frontkamera
Akku10.000 mAh, 55W Fast Charging
BetriebssystemAndroid 16 mit Doke OS 5.0
KonnektivitätLTE (Dual-SIM), WLAN 6, Bluetooth 5.4, GPS
LieferumfangTablet, Cover, Tastatur, Maus, Stift, Kopfhörer, Ladegerät, USB-C-Kabel, SIM-Eject-Tool
Preisca. 250-350€ (getestete 256GB-Variante, je nach Angebot)

Fazit: Für wen lohnt sich das Blackview MEGA 5?

Perfekt ist das MEGA 5 nicht, es gibt hier und da ein paar kleinere Probleme, und auch das Startmenü kann gelegentlich mal ruckeln. Trotzdem ist das hier insgesamt ein wirklich solides Gesamtpaket, wenn ihr wisst, worauf ihr euch einlasst. Android Gaming funktioniert richtig gut, nur bei den Grafikeinstellungen werdet ihr nicht immer aufs Maximum gehen können. Bei anspruchsvollerer Emulation (GameCube, PS2, Switch) müsst ihr dagegen mit spürbar mehr Problemen rechnen – wenn ihr euch aber ohnehin nur auf SNES, Game Boy und Game Boy Advance sowie auf Android-Games auf mittleren Einstellungen beschränken wollt, bekommt ihr hier ein großes, schön scharfes 120Hz-Display mit 55W-Schnellladung, das sich super für Arbeiten zwischendurch, YouTube und Browsen eignet.

Wenn ihr diese Einschränkungen bei der Emulation verschmerzen könnt, macht ihr mit diesem Gerät zum Preis von 250 bis 350€ nichts falsch – ein rundes Gesamtpaket. Wer dagegen unbedingt auch GameCube, PS2 oder Switch flüssig emulieren möchte, sollte eher etwas tiefer in die Tasche greifen und zu einem Gerät mit Snapdragon- bzw. echtem High-End-Prozessor greifen.

Würdet ihr euch ein Tablet wie das Blackview MEGA 5 anschaffen, oder greift ihr lieber zu einem teureren Gerät mit High-End-Chip?
Lasst uns darüber auf meinem Discord-Channel diskutieren.

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