Retroid Pocket Duo Lite im Test: Zwei Bildschirme für 150 € – DS, 3DS und ein Teil der PS2-Spiele
Der Retroid Pocket Duo Lite ist ein Klapp-Handheld mit zwei Bildschirmen, der mit Versand rund 170 $ kostet – umgerechnet etwa 150 €. Damit ist er aktuell der mit Abstand günstigste Weg, Nintendo DS und Nintendo 3DS so zu spielen, wie es gedacht war. Zumindest größtenteils. Denn bei diesem Gerät bezahlt ihr nicht für die Leistung, sondern für den zweiten Bildschirm: Retroid hat selbst schnellere und günstigere Geräte im Programm – die haben aber eben nur einen Screen.
(Transparenzhinweis: Das Testgerät wurde mir von Retroid zur Verfügung gestellt. Es gab keinerlei Vorgaben, was ich sagen darf und was nicht, und für den Test wurde ich nicht bezahlt.)

Gehäuse, Tasten und Bildschirme sind für diesen Preis eine echte Ansage – der Chip ist es nicht, und das merkt man an einigen Stellen deutlich. Die eigentliche Frage ist aber nicht, ob das Gerät Schwächen hat, sondern: Wo bekommt ihr sonst für 150 € einen Handheld mit zwei Bildschirmen, auf dem die komplette DS-Bibliothek läuft und sogar ein Teil der 3DS-Spiele?
Preis & welche Variante?
Retroid verkauft direkt aus China. Der Grundpreis liegt bei 149 $ für die Version mit 4 GB RAM und 64 GB Speicher und bei 169 $ für 6 GB und 128 GB. Die Versandkosten (etwa 15 bis 20 $) seht ihr erst an der Kasse. Für die große Variante landet ihr so bei rund 170 $, also etwa 150 €. Bisher waren die Versandkosten bei Retroid in der Regel abschließend, Zoll kam also nicht mehr dazu. Ob das nach der jüngsten Gesetzesänderung noch gilt, solltet ihr prüfen – sonst kämen noch etwa 30 € dazu.
Meine Empfehlung: ganz klar die 6-GB-Version. Die 20 $ Aufpreis bringen euch 2 GB mehr Arbeitsspeicher und vor allem 64 GB mehr internen Speicher. Eine 64-GB-microSD kostet ohnehin 20 bis 40 € – ihr zahlt den Aufpreis also praktisch für die Karte und bekommt den RAM geschenkt.
Duo Lite, Duo Lite Plus, Duo – was ist was?

| Duo Lite | Duo Lite Plus | Duo | |
|---|---|---|---|
| Chip | Qualcomm QCS6125 (schwach) | stärkerer Chip des Duo | stärkerer Chip |
| RAM | 4 oder 6 GB | 8 GB | 8 GB |
| Displays | 2× LCD, 60 Hz | 2× LCD, 60 Hz | 2× OLED, 120 Hz, etwas größer |
| Schultertasten | in einer Reihe | in einer Reihe | gestapelt |
| Preis | ab 149 $ | 219 $ (mit Code) | 269 $ |
| Auslieferung | seit 17. September | ab Mitte November | ab Mitte Oktober |
Und jetzt der Teil, der mich ärgert: Den Duo Lite Plus hat Retroid erst angekündigt, nachdem der normale Duo Lite bereits verschickt wurde. Offenbar gab es viele Anfragen nach genau dieser flachen Bauform mit dem stärkeren Chip. Wer die flache Variante wollte und deshalb zum Lite gegriffen hat, hat also gleichzeitig das schwächere Modell erwischt. Fairerweise: Retroid hat reagiert. Ist eure Bestellung noch nicht raus, könnt ihr den Aufpreis zahlen und aufs Plus umbuchen. Ist sie schon unterwegs, könnt ihr das Gerät zurückschicken und bekommt alles erstattet, inklusive Versand in beide Richtungen. Der Haken: Ihr landet hinten in der Schlange. Technisch verstehe ich, wie es dazu kam – vom Zeitpunkt her ist es trotzdem eine ziemliche Frechheit gegenüber den Erstbestellern.
Bevor jemand reflexartig „dann gleich das Plus“ sagt: Das kostet rund 70 $ mehr, der große Duo rund 100 $. Das ist kein Kleingeld – beim Plus fast die Hälfte obendrauf, beim Duo mehr als die Hälfte. Wer aufs Budget schauen muss, für den ist genau diese Rechnung der Grund, warum der Lite interessant ist. Mehr zu den großen Modellen findet ihr in meiner News zum Retroid Pocket Duo und Duo Lite.
Technische Daten

| Prozessor | Qualcomm Dragonwing QCS6125 (11 nm), 4× Cortex-A73 (2,0 GHz) + 4× Cortex-A53 (1,8 GHz) |
| GPU | Adreno 610 |
| RAM / Speicher | 4 GB / 64 GB oder 6 GB / 128 GB |
| Display oben | 5,5 Zoll LCD, 1920 × 1080, 16:9, 60 Hz |
| Display unten | 4,2 Zoll LCD, 1280 × 960, 4:3, 60 Hz |
| Akku | 6.000 mAh, Laden mit 18 W |
| System | Android 15, OTA-Updates |
| Funk | Wi-Fi 5, Bluetooth 5.0 |
| Maße / Gewicht | 158 × 95 × 23,2 mm, 372 g |
| Preis | 149 $ (4/64 GB), 169 $ (6/128 GB), zzgl. Versand |

Alle Anschlüsse sitzen am Gehäuse, ihr kommt also auch zugeklappt dran: USB-C zum Laden, microSD-Slot, 3,5-mm-Klinke und auf beiden Seiten eine Öse fürs Trageband. Was fehlt, ist ein Videoausgang – den hat nur der große Duo. Der Lieferumfang ist übersichtlich: Gerät, ein ordentliches USB-C-Kabel und ein Faltblatt. Kein Netzteil, keine Schutzfolie und vor allem kein Stylus – gerade bei einem Gerät für DS-Spiele schade. Ein Stift von einem anderen Handheld funktioniert aber problemlos, ich habe zum Beispiel den vom Anbernic RG DS Plus genutzt.
Verarbeitung & Ergonomie

Bei der Verarbeitung musste ich mir mehrfach in Erinnerung rufen, dass das Gerät nur 150 $ kostet. Die Oberfläche ist matt mit einer ganz feinen Körnung, nimmt keine Fingerabdrücke an und fühlt sich wertiger an, als der Preis vermuten lässt. Anders als beim AYN Thor ist die Front nicht komplett aus Glas, sondern aus Kunststoff – und das gefällt mir sogar besser, weil sich Fingerabdrücke nicht übers ganze Gehäuse verteilen.
Mit 372 g hat das Gerät ordentlich Gewicht: Gegen einen echten DS Lite mit 215 g ist das eine andere Liga, und selbst der AYN Thor ist leichter. Beim Aufklappen zeigen sich durchdachte Details: Zwei Gummipuffer verhindern, dass Kunststoff auf Kunststoff trifft, und zugeklappt schließt das Gehäuse sauber ab – ohne den Spalt, den der Thor an dieser Stelle hat. Das Scharnier ist komplett stufenlos, läuft gleichmäßig durch und hält jeden Winkel. Ergonomisch ist das flache Design erstaunlich gut: Weil hinten nichts vorsteht, könnt ihr die Hände frei verschieben. Retroid bietet im eigenen Shop außerdem Ergonomie-Griffe an.
Tasten & Sticks
Die Aktionstasten sind dieselben wie beim Retroid Pocket Nova und Pocket 6: Gummimembran, sehr leise, toller Druckpunkt – da gibt es nichts zu kritisieren. Das Steuerkreuz ist das typische Retroid-Kreuz mit Dome-Switch: Es klickt, bleibt aber leise, versehentliche Diagonalen sind praktisch kein Thema.
Die Schultertasten sitzen nebeneinander und klicken leicht gedämpft über Mikroschalter. Retroid hat hier etwas Cleveres gemacht: L2 und R2 sitzen ein Stück höher als L1 und R1 und sind anders geformt – ihr könnt also blind wechseln. Analoge Trigger gibt es allerdings nicht, L2 und R2 sind rein digital. Die Analogsticks sind komplett neu und für so ein Design richtig gelungen: Die Kappen sind riesig, füllen die Mulde fast komplett aus und stoßen trotzdem nirgends an. Der Bewegungsradius ist wie bei allen Klappgeräten klein, die Bedienung geht aber erstaunlich gut von der Hand. RGB-Ringe gibt es keine, und die Kappen passen nicht zu denen vom Pocket 6 oder Nova.
Die Displays – und die Skalierungsrechnung

Ein Nintendo DS hat pro Bildschirm 256 × 192 Pixel. Damit ein DS-Bild scharf bleibt, muss es um eine ganze Zahl vergrößert werden – sonst werden die Pixel ungleichmäßig verteilt, und das Bild wirkt matschig. Der untere Bildschirm des Duo Lite hat 1280 × 960: 1280 durch 256 ergibt 5, 960 durch 192 ebenfalls 5. Ein sauberer Faktor 5 – höher als alles, was in dieser Preisklasse sonst möglich ist.
Beim oberen Display wird es komplizierter: Es hat Full HD im 16:9-Format, ein DS-Bild ist aber 4:3. Soll das Bild den Schirm voll ausfüllen, landet ihr beim krummen Faktor 5,6. Bleibt ihr bei ganzzahligem Faktor 5, bleibt ringsum ein Rahmen. Oben gilt also: entweder randlos oder sauber – beides zusammen geht nicht.

Beide Panels laufen mit 60 Hz. Für Android-Spiele kann das ein Nachteil gegenüber den 120 Hz des großen Duo sein – für das, wofür dieses Gerät gebaut ist, aber nicht: DS, GBA und die meisten PSP-Spiele laufen ohnehin mit 30 oder 60 FPS. Beide LCDs werden gleich hell. Bei rund 50 % Helligkeit spielt man überall entspannt, voll aufgedreht wird es richtig hell, und ganz heruntergeregelt weckt ihr abends im Bett niemanden. Im Vergleich zum RG DS Plus sind die Bildschirme heller und deutlich satter, an ein OLED wie beim AYN Thor kommen sie natürlich nicht heran.
Eine Auffälligkeit, die vielleicht nur mein Gerät betrifft: Mein unteres Display flackert hin und wieder beim manuellen Ein- und Ausschalten, und am Ladekabel zeigt es kurzzeitig eine andere Farbe ganz unten. Ich gehe von einem Einzelfall aus und hoffe auf ein Update.
Software & Alltag

Auf dem Gerät läuft Android 15 mit offiziellen OTA-Updates. Das eigentlich Nützliche versteckt sich hinter einem Doppeltipp auf die Home-Taste: Retroids eigenes Kontrollfeld. Dort findet ihr Leistungsprofil, Lüfterstufen, Temperaturen und Bildrate, stellt Helligkeit und Lautstärke für oben und unten getrennt oder gemeinsam ein und schaltet, ob nur der obere, nur der untere oder beide Screens aktiv sind. Kleiner Kritikpunkt: Das Ganze ist in einer Pixel-Schrift gestaltet, die zum Retro-Thema passt, sich aber schlechter liest.
Und dann etwas, das ich bei Android-Handhelds sonst selten erwähnen muss: Man merkt dem Chip im Alltag an, dass er langsam ist. Abstürze oder hängende Menüs gibt es nicht, aber App-Übersicht, App-Start und der Wechsel zwischen Emulatoren gehen nicht so zackig wie beim Pocket 6 oder Nova.

Das Versprechen von zwei Bildschirmen mit Android – oben ein Video, unten ein Spiel – wird leider frickelig. YouTube oben und ein SNES-Spiel unten läuft, ruckelt aber hin und wieder. Installiert ihr nebenbei eine App oder startet ein zweites Spiel, wird es noch extremer. Ich habe die 6-GB-Variante getestet – mit 4 GB dürfte es noch schlechter ausfallen. Noch ein Argument für die 20 $ mehr.
Die richtigen Emulatoren
Bei einem DS-Gerät entscheidet die Emulatorwahl mehr über euer Erlebnis als jede Einstellung – und auf diesem Chip trennt sich die Spreu vom Weizen schnell:
- melonDS gilt als genauester DS-Emulator, ist aber auch der anspruchsvollste. Auf diesem Gerät läuft er nicht in voller Geschwindigkeit – nicht mal in nativer Auflösung, egal ob Software, OpenGL oder Vulkan.
- WatermelonDS (Ableger von melonDS mit Vulkan-Backend): dasselbe Problem.
- DraStic läuft tadellos, sogar mit doppelter Auflösung – es fehlen aber Komfortfunktionen wie RetroAchievements.
- Seedless DS ist der Emulator, den ich euch ans Herz lege. Ehrlich gesagt habt ihr kaum eine andere Wahl – ohne ihn wäre der Hauptzweck des Geräts kaum erfüllbar.
Emulation: Was läuft wie gut?
Retro-Klassiker & Nintendo DS

Game Boy, GBA, NES, SNES, PlayStation 1 und N64 laufen sauber, inklusive Hochskalierung und Shadern. Die eigentliche Disziplin ist der Nintendo DS – und mit Seedless DS funktioniert das richtig gut. Selbst anspruchsvolle Spiele wie Golden Sun: Die dunkle Dämmerung laufen teilweise in vierfacher Auflösung, und die Pokémon-Spiele laufen hochskaliert und mit Vorspulen einwandfrei.

Wichtig bei DS-Spielen ist der Touch-Input. Ich habe deshalb The Legend of Zelda: Phantom Hourglass getestet, das komplett per Touch gesteuert wird: keine spürbare Verzögerung, die Eingaben werden nahtlos erkannt.
Nintendo 3DS
3DS funktioniert – und das hat mich überrascht. In dieser Preisklasse ist das keine Selbstverständlichkeit. Ihr braucht dafür Azahar (nicht Citra) und am besten passende Adreno-Treiber für die Adreno-610-GPU (AdrenoToolsDrivers v615.77). Testet außerdem die Optionen „Asynchrone Shader-Kompilierung“ und „Disable Right Eye Rendering“ – Letzteres zerschießt allerdings manche Spiele. Mit den manuell installierten Treibern lief Ocarina of Time 3D bei mir mit 3 bis 5 FPS mehr, meist konstant mit 30 FPS, dafür wurden die Ladezeiten deutlich länger. Eine Blaupause gibt es nicht: Weniger anspruchsvolle Spiele laufen eventuell mit den Standardtreibern besser. Mein Tipp: erst mit den eigenen Treibern und den genannten Einstellungen starten, dann pro Spiel anpassen.
Zwei Einschränkungen solltet ihr kennen: Es gibt keine Hochskalierung – 3DS-Spiele sehen aus wie auf dem Original, nicht besser. Und bei anspruchsvollen Spielen müsst ihr mit Rucklern und kurzen Standbildern rechnen, weil Shader während des Spielens gebaut werden; bei Pokémon ist mir das extrem oft passiert. Wer seine 3DS-Sammlung endlich scharf sehen will, braucht das Plus-Modell oder den großen Duo. Für alle anderen ist 3DS hier eine erstaunliche Dreingabe.
PSP & GameCube

Bei der PSP wird es wieder erfreulicher: Die meisten Titel laufen in dreifacher Auflösung (720p) und sehen richtig gut aus, selbst God of War packt ihr mit bis zu doppelter Auflösung.
Beim GameCube reicht die Leistung normalerweise nicht. Need for Speed Underground 2 kommt nicht über 10 bis 15 FPS. The Wind Waker läuft dagegen mit bis zu 30 FPS – mit Rucklern und Standbildern, aber erstaunlicherweise spielbar. Harry Potter und die Kammer des Schreckens lief mit 25 bis 50 FPS, mit teils extremen Schwankungen und gelegentlich ruckelndem Sound. Einzelne Spiele gehen also, der Großteil aber nicht.
PlayStation 2 – dank ARMSX2
Und dann die PlayStation 2. Bis vor wenigen Wochen hätte ich gesagt: funktioniert gar nicht. Mit AetherSX2 stimmt das auch. Dann kam ARMSX2 und hat die PS2-Emulation auf den Kopf gestellt. Baldur’s Gate: Dark Alliance II, eines der anspruchsvollsten PS2-Spiele, läuft auf AetherSX2 mit 25 bis 30 FPS und ruckelt ordentlich – auf ARMSX2 mal eben mit 45 bis 55 FPS. God of War II schafft leider auch dort nur 25 bis 30 FPS, ist aber ruckelig spielbar. GTA San Andreas läuft mit 25 bis 40 FPS und dürfte im Grundsatz spielbar sein.
Das klingt unspektakulär, ist es aber nicht: Durch den neuen Emulator funktioniert einfach eine komplette Konsolengeneration mehr. Ich habe natürlich nicht alle Spiele getestet, aber ein großer Teil dürfte laufen – und die Performance wird sich hoffentlich weiter verbessern. Dass ARMSX2 nebenbei besser aussieht und den zweiten Screen toll nutzt, ist ein netter Bonus. Android-Spiele wie Diablo Immortal laufen übrigens grundsätzlich, aber mit deutlichen Abstrichen; einfache Spiele wie Cut the Rope sind kein Problem.
Zusammengefasst: Bis Nintendo DS und PSP läuft alles sauber. 3DS und PS2 funktionieren mit Abstrichen. GameCube und alles darüber: eher nicht.
Lüfter, Sound & Akku

Retroid verbaut eine aktive Kühlung, obwohl der Chip gar nicht so viel Wärme produziert. Die Abluft geht hinten oben raus. Die gute Nachricht: Das Gerät bleibt kühl, und der Lüfter ist nicht wirklich laut. Die schlechte: Er fiept – dauerhaft, selbst im leisen Profil. Das nervt. Die beiden Stereo-Lautsprecher strahlen nach vorne und sind für den Preis richtig gut.

Der Akku fasst 6.000 mAh – genauso viel wie beim doppelt so teuren großen Duo. Trotzdem überzeugt er nicht auf ganzer Linie: Der 11-nm-Chip ist nicht besonders sparsam, zwei Bildschirme wollen versorgt werden, und geladen wird nur mit 18 W statt 27 W wie beim großen Modell. Meine Richtwerte bei 50 % Helligkeit:
| Last | Beispiele | Laufzeit (ca.) |
|---|---|---|
| Niedrig | SNES, Game Boy, GBA, PS1 | 6–8 Stunden |
| Mittel | Nintendo DS in doppelter Auflösung | 5–6 Stunden |
| Hoch | 3DS, PSP hochskaliert, PS2 | 3,5–4,5 Stunden |
Duo Lite vs. Anbernic RG DS Plus

Der naheliegendste Vergleich ist der Anbernic RG DS Plus für etwa 100 bis 110 €. Auf dem Papier ist der Duo Lite in jedem Punkt besser: acht Kerne statt Rockchip RK3568, 4 oder 6 GB statt 1 GB RAM, Android 15 statt Linux, 6.000 statt 4.000 mAh. Auch bei der Leistung liegt er deutlich vorne – PSP, N64 und große Teile der 3DS- und PS2-Bibliothek kann der Anbernic schlicht nicht. Bei der DS-Emulation laufen beide gut, der Duo Lite kann etwas höher skalieren.
Beim Design geben die Hersteller unterschiedliche Antworten: Anbernic baut zwei gleich große 4:3-Bildschirme mit sauberem Faktor 4, beide randlos, plus Stylus im Gehäuse – der sauberere DS-Nachbau. Retroid hat oben ein 16:9-Display mit mehr Auflösung und besseren Farben, dafür den krummen Faktor oben und keinen Stift. Mein Zwischenfazit: Wollt ihr ausschließlich DS spielen und ist euch der Stylus wichtig, ist der RG DS Plus die bessere und günstigere Wahl. Für alle anderen ist der Duo Lite das deutlich rundere Gerät – mit besserem Display und PSP, N64, 3DS und PS2 für knapp 50 € Unterschied.
Pro & Contra
Das hat mir gefallen:
- Verarbeitung und Materialgefühl weit über dem Preis
- Komplette DS-Bibliothek sauber in doppelter, teils sogar vierfacher Auflösung
- 3DS und PS2 funktionieren zu einem großen Teil
- Helle, farbstarke Displays – unten mit sauberem Faktor 5
- Tolle Aktionstasten, gelungene Sticks, bündiges Design und sehr guter Sound
- Preis: der günstigste Weg zu zwei Screens, auf denen mehr als nur DS läuft
Das hat mir nicht gefallen:
- Systembedienung durch den langsamen Chip manchmal hakelig
- Multitasking auf zwei Bildschirmen funktioniert nur halb
- Lüfter fiept, selbst im leisen Profil
- Kein Videoausgang, nur Wi-Fi 5 und Bluetooth 5.0 – beim Streaming kann das nerven
- Kein Stylus im Lieferumfang
- Verwirrendes Modellwirrwarr aus Duo Lite, Duo Lite Plus und Duo
Mein Fazit

Ich bin ehrlich fasziniert, was dieses Gerät alles schafft. Ja, der Duo Lite hat Schwächen: Das System läuft etwas langsam, und Multitasking funktioniert mehr schlecht als recht. Aber wer günstig einsteigen will, zwei Screens sucht und dabei auf nicht allzu viel verzichten möchte, ist hier goldrichtig. Denn wo bekommt man sonst für rund 150 € einen Handheld mit zwei Bildschirmen, richtig guter Verarbeitung, der kompletten DS-Bibliothek hochskaliert und obendrauf noch 3DS- und PS2-Spielen? Meine Antwort: nirgends.
Wenn ihr das Geld habt und vor allem 3DS spielen wollt, nehmt das Plus-Modell – dann wartet ihr allerdings bis Mitte November. Wenn nicht, verpasst ihr beim Lite deutlich weniger, als man vermuten würde. Zur Einordnung: Darunter liegt der RG DS Plus für etwa 110 € – weniger Leistung, kein Android, kein 3DS, dafür zwei gleich große Bildschirme und ein Stylus. Darüber liegen das Plus-Modell, der große Pocket Duo und der AYN Thor, auf dem auch GameCube, PS2 und hochskaliertes 3DS sauber laufen. Und auf gleichem Preisniveau, aber mit nur einem Bildschirm, gibt es Geräte wie den Retroid Pocket Classic oder Pocket 4, die bei PS2 und GameCube etwas besser sind.
Ist euch ein zweiter Bildschirm mehr wert als Rechenleistung – und wie findet ihr es, dass Retroid das Plus-Modell erst nach dem Verkaufsstart angekündigt hat?
Lasst uns darüber auf meinem Discord-Channel diskutieren.
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