RayNeo GT im Test: 231 Zoll für 339 Euro – geht das gut?

AR-Brillen sind auf diesem Kanal selten – heute aber genau richtig: Die RayNeo GT legt euch für rund 339 € ein Bild von bis zu 231 Zoll vor die Nase, und zwar mit einem einzigen USB-C-Kabel, ganz ohne Zusatzgerät. Es gibt sie auch als GT Max für etwa 430 €, ich habe hier die Basisvariante getestet – die ist aber schon richtig gut.

(Transparenzhinweis: Das Testgerät wurde mir von RayNeo zur Verfügung gestellt. Es gab keinerlei Vorgaben, was ich sagen darf und was nicht, und für den Test wurde ich nicht bezahlt.)

RayNeo GT AR-Brille

Das Prinzip: ein Kabel, 231 Zoll

Lieferumfang der RayNeo GT mit Case

Der Gedanke dahinter ist simpel: Ihr steckt ein einziges USB-C-Kabel in die Brille, das andere Ende in euren Handheld – fertig. Statt sechs oder sieben Zoll habt ihr dann eine riesige Bildfläche vor euch. Das Kabel ist etwa einen Meter lang und hat einen abgewinkelten Stecker.

Der eigentliche Vorteil: Privatsphäre

Man denkt erst: cool, 231 Zoll immer dabei. Der eigentliche Anwendungsfall ist aber ein anderer. Setzt ihr die Brille auf, ist eure Privatsphäre gewahrt. Nehmt ihr normalerweise einen Handheld in die Hand, sieht jeder mit, was ihr macht. Mit der Brille plus Bluetooth-Kopfhörer zockt ihr dagegen völlig für euch – im Zug zum Beispiel. Klar, mit so einer Brille fällt man ein bisschen auf. Aber wer still auf seinem Platz sitzt, stört damit niemanden.

Technische Daten

Technische Daten der RayNeo GT
Panel2× 0,6 Zoll Micro-OLED
Auflösung1080p pro Auge
Sichtfeld46 Grad (GT Max: 59 Grad)
Bildrate120 Hz (2D), 60 Hz (3D)
Helligkeit336 Nits, einstellbar
Gewichtca. 68 g
Virtuelle Leinwandmaximal 231 Zoll, alternativ 136 oder 201 Zoll
Preisca. 339 € (GT Max ca. 430 €)

Das Sichtfeld von 46 Grad ist solides Mittelfeld – die GT Max legt hier mit 59 Grad nach. Die Helligkeit reicht locker, die Brille wird richtig hell. Die 68 g merkt man auf Dauer durchaus, für mich ist das aber vertretbar: Wer zwei bis drei Stunden im Zug sitzt, nimmt das gerne in Kauf.

Design & Verarbeitung

Bügel der RayNeo GT mit Bedientasten

Man sieht der GT an, dass sie keine normale Brille ist: Die Bügel sind deutlich dicker, was an der verbauten Technik liegt. Dort sitzen die Lautstärkewippe, der Menü-Button, ein weiterer Button und die beiden Lautsprecher, dazu der Aufdruck „Audio by Bang & Olufsen“ und ein paar orange Akzente. Optisch finde ich das schick – auffällig ist es trotzdem. Für mich kein Problem: Das ist eine AR-Brille zum Zocken, mit der gehe ich nicht ins Büro und laufe auch nicht damit durch die Stadt.

Detailansicht der RayNeo GT

Bedienung & die drei Raummodi

Über den Menü-Button am Bügel stellt ihr Helligkeit und Modi ein. Spannend sind die drei Raummodi:

  • Stabil: Das Bild bleibt an einem festen Punkt im Raum. Dreht ihr den Kopf zur Seite, bleibt der Bildschirm dort, wo er war.
  • Fixiert: Das Bild ist am Kopf fixiert und wandert mit – ihr schaut also immer direkt auf den Bildschirm.
  • Folgen: Das Bild zieht sanft nach, wenn ihr den Kopf bewegt.

Die Firmware aktualisiert ihr per USB-C am Computer. Beim Menü müsst ihr wissen: Es gibt es nur auf Englisch und Chinesisch, Deutsch ist nicht dabei.

Virtuelle Leinwand der RayNeo GT mit 231 Zoll

Die Bildgröße wählt ihr selbst: 231 Zoll maximal, alternativ 136 oder 201 Zoll. Je kleiner ihr das Bild stellt, desto mehr seht ihr von eurer Umgebung. Stellt euch euer Sichtfeld vor – der Bildschirm sitzt in der Mitte, nach oben, unten, links und rechts bleibt Platz. Das mag nicht jeder, ausprobieren lohnt sich.

Anschließen an den Handheld

RayNeo GT wird per USB-C an einen Handheld angeschlossen

Ich habe die Brille an die ROG Xbox Ally X gehängt: Kabel rein, fertig – das Bild wird automatisch übertragen. Ihr könnt es spiegeln oder den Handheld-Bildschirm komplett schwarz lassen. Im Menü gibt es dann noch 3D-Modus, AI-HDR, Szene-Modi (Movie, Eye Care, Read), Color Boost, Shadow Boost, Schärfe, Displaygröße, Sound-Einstellungen und die Kalibrierung.

Zocken mit der RayNeo GT am Handheld
Gothic auf dem Handheld mit RayNeo GT

Bildqualität: Ränder und Durchsicht

Das Bild sieht richtig fantastisch aus. Zwei Dinge fallen aber auf: Bei sehr heller Umgebung – bei mir volle Studiobeleuchtung – und gleichzeitig dunklem Bildinhalt schimmert die Umgebung durch. Sobald wieder Bild da ist, fällt das nicht mehr auf. Und die Ränder sind leicht verwaschen: Man sieht ein Oval, das zu den Kanten hin weicher wird. Das liegt in der Natur der Sache und am 46-Grad-Sichtfeld – die GT Max mit 59 Grad macht das etwas besser.

3DoF – das Killer-Feature

Die drei Raummodi basieren auf nativem 3DoF-Tracking, für das andere AR-Brillen ein zusätzliches Gerät brauchen. RayNeo hat dafür einen eigenen Chip verbaut – und das ist keine Spielerei: Das Bild wirkt dadurch insgesamt ruhiger. Selbst wenn ihr im Zug oder im Auto sitzt und es ruppig wird, bleibt das Bild stabil an Ort und Stelle, während euer Kopf wackelt. Für mich ist das das Kaufargument – erst recht, weil man kein Zusatzgerät mitschleppen muss.

Sound

Die Lautsprecher sitzen direkt über den Ohren und klingen richtig gut. Sie müssen gar nicht laut sein, weil der Ton direkt an der Ohrmuschel ankommt – eure Umgebung stört ihr damit kaum. Etwas hören die Leute links und rechts schon, aber längst nicht so viel, wie man meinen würde.

Was ihr sonst noch anschließen könnt

RayNeo GT am Smartphone

Alles, was Video-Out über USB-C beherrscht, funktioniert: Android-Handhelds, Smartphones – an meinem Samsung startet sogar automatisch der DeX-Modus. Über einen HDMI-auf-USB-C-Adapter könntet ihr theoretisch sogar den Desktop-PC anschließen.

Mein Fazit

RayNeo GT neben einem Handheld

Das hat mir gefallen: das native 3DoF-Tracking und das dadurch sehr stabile Bild, die 68 g, die fantastischen Lautsprecher und die Ein-Kabel-Einrichtung. Kabel rein, Kabel rein, fertig – und 200 Zoll vor der Nase.

Das hat mir weniger gefallen: die leicht verwaschenen Ränder und das Durchschimmern bei dunklem Bild in sehr heller Umgebung. Beides hängt am Sichtfeld.

339 € sind nicht wenig Geld. Aber AR-Brillen kosten sonst meist 400 bis 600 € – hier bekommt ihr ein Mittelklasse-Gerät zu einem richtig fairen Preis. Wer in das Thema AR-Brillen einsteigen will, macht mit der RayNeo GT nichts falsch.

Habt ihr schon mal mit einer AR-Brille gezockt – und wie waren eure Erfahrungen?
Lasst uns darüber auf meinem Discord-Channel diskutieren.

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