TrimUI Brick Pro im Test: Für 100 Euro bekommst du DAS?
Über den TrimUI Brick Pro hatte ich ja schon berichtet, als noch nicht viel mehr als Leaks und Gerüchte im Umlauf waren. Jetzt liegt das fertige Gerät bei mir auf dem Tisch, und ich konnte mir den vertikalen Retro-Handheld für rund 100 Euro ganz genau anschauen. Lohnt sich der Aufpreis gegenüber günstigeren Geräten wie dem TrimUI Smart Pro oder dem Miyoo Mini, oder bezahlt man hier am Ende nur für zwei Analogsticks, die die Hardware gar nicht richtig nutzen kann?
(Transparenzhinweis: Das Testgerät wurde mir von Banggood zur Verfügung gestellt. Es gab keinerlei Vorgaben, was ich sagen darf und was nicht, und für den Test wurde ich nicht bezahlt.)
Verarbeitung & Design
Optisch ist der Brick Pro ganz klassisch der vertikale Handheld im Game-Boy-Stil, den man von TrimUI kennt, nur eben spürbar größer als der normale Brick. Die Verarbeitungsqualität ist wirklich top: Das Gehäuse fühlt sich angenehm matt an, hat schöne Texturen und Maserungen und zieht dabei praktisch keine Fingerabdrücke an. Dazu kommt eine RGB-Beleuchtung, die sich bis in die austauschbaren Rücken-Paddles zieht und dem Ganzen nochmal einen richtig hochwertigen Auftritt verpasst.

Das Display ist 3,95 Zoll groß, löst mit 1024 x 768 Pixeln auf und läuft mit 60 Hertz. Für die Preisklasse ist das ein wirklich scharfes, farbenfrohes Panel, das gerade bei SNES- und N64-Spielen eine richtig gute Figur macht.
Bedienelemente & Anschlüsse
Rund um das Display ist wirklich großzügig ausgestattet: Wir haben zwei Hall-Effect-Analogsticks, ein Steuerkreuz, die ABXY-Tasten, zwei Schultertasten-Paare sowie Start, Select und eine dedizierte Menü-Taste für das Schnellmenü. Seitlich sitzen Power-Button, Lautstärkewippe und der Home-Button, unten finden sich SD-Kartenslot, ein weiterer USB-C-Port und der Kopfhöreranschluss, oben ein zusätzlicher USB-C-Port, der auch als Display-Out für einen externen Monitor dient. Die Druckpunkte der Aktionstasten sind angenehm, wenn auch recht flach gehalten, die Analogsticks haben einen kurzen Federweg und das Steuerkreuz könnte für meinen Geschmack einen Tick tiefer sein – insgesamt aber alles auf einem guten Niveau.

Austauschbare Rücken-Paddles
Ein nettes Detail sind die vier austauschbaren Paddle-Tasten auf der Rückseite. Sie lassen sich einfach nach oben abziehen und über ein kleines Plus-Gegenstück wieder einrasten. Im Lieferumfang sind gleich drei verschiedene Formen enthalten: flache, leicht abgerundete Standard-Kappen, etwas höhere Kappen mit einem kräftigeren Übergang, damit man die Tasten besser ertasten kann, sowie ein drittes, ziemlich ausgefallenes Modell in einer verrückten Form. Ihr könnt die drei Varianten sogar beliebig mischen, wenn euch eine Kombination besser in der Hand liegt.

Brick Pro vs. TrimUI Brick
Im direkten Vergleich zum normalen TrimUI Brick, den ich hier ja schon im Langzeittest hatte, fällt der Größenunterschied enorm auf – der Pro ist deutlich größer und dadurch spürbar weniger handlich in der Hosentasche. Beide Geräte haben aber eine ähnlich gute Verarbeitungsqualität, sodass die Wahl am Ende eine Frage von Displaygröße gegen Kompaktheit ist.

Software: CrossMix OS
Auf dem Brick Pro läuft standardmäßig CrossMix OS, eine eigens für TrimUI-Geräte entwickelte Firmware. Das Quick-Menu ist angenehm aufgeräumt und einfach gehalten – wer es komplizierter mag, kommt über das Advanced-Menu direkt in ein vollwertiges RetroArch. Im Hauptmenü gibt es Tabs für Favoriten, zuletzt gespielte Titel und die einzelnen Konsolen-Bibliotheken (mit witzigen Umbenennungen wie „GomeBuy Color“ für Game Boy Color), dazu einen Ports-Bereich für PC-Ports, ein paar Apps wie einen E-Book-Reader, einen Musikplayer und sogar Moonlight zum Game-Streaming. Auch Netplay, Anzeige-, Lautstärke- und WLAN/Bluetooth-Einstellungen sowie mehrere Themes sind mit an Bord. Die Menüsprache lässt sich sogar auf Deutsch umstellen, auch wenn ein paar Übersetzungen etwas holprig wirken – ich bleibe daher lieber beim Englischen.

Emulation & Performance
Und hier kommen wir auch schon zum Knackpunkt des Geräts: Verbaut ist der Allwinner A133 Plus mit gerade einmal 1 GB Arbeitsspeicher und 8 GB internem Speicher – ein klares Budget-SoC. NES, SNES, Mega Drive, Game Boy, Game Boy Color, Game Boy Advance, Arcade und PlayStation 1 laufen damit ordentlich, auch wenn nicht bei jedem Titel maximal hochskaliert werden kann. Besonders gut macht sich das bei Super Mario All-Stars auf dem SNES: Seitenverhältnis, Farben und Bedienung passen hier einfach perfekt. Auch Mario 64 auf dem N64 lief bei mir im Test komplett ruckelfrei, und genau hier ergeben die beiden Analogsticks endlich richtig Sinn.

Schwieriger wird es bei N64-Titeln, die etwas mehr fordern, sowie bei Dreamcast und vor allem PSP. Bei God of War: Chains of Olympus auf der PSP bin ich im Test bei knapp 20 bis 25 FPS gelandet, inklusive Warnhinweis der Software – und das ist besonders ärgerlich, weil genau bei diesen anspruchsvollen Konsolen die Analogsticks am meisten Sinn ergeben würden. Hier merkt man einfach, dass 1 GB RAM und der schwache Prozessor an ihre Grenzen stoßen.

Technische Daten des TrimUI Brick Pro im Überblick
| Merkmal | Spezifikation |
| SoC | Allwinner A133P, 1,8 GHz, PowerVR GE8300 GPU (bis 660 MHz) |
| Arbeitsspeicher | 1 GB LPDDR3 |
| Interner Speicher | 8 GB eMMC + microSD (bis 1 TB) |
| Display | 3,95 Zoll IPS, 1024 x 768, 60 Hz, ca. 324 ppi |
| Akku | 5000 mAh, ca. 5-10 Std. Laufzeit |
| Konnektivität | WiFi 4, Bluetooth 4.2, 2x USB-C (einer mit Display-Out), 3,5-mm-Klinke |
| Bedienelemente | 2x Hall-Effect-Analogstick, D-Pad, ABXY, austauschbare Rücken-Paddles (3 Formen) |
| Betriebssystem | CrossMix OS (eigene Firmware) mit RetroArch-Advanced-Menu |
| Emulation | Bis PS1 gut nutzbar, N64/Dreamcast/PSP mit Einschränkungen |
| Farben | Schwarz, Weiß, Retro-Grau |
| Preis | ca. 100-106€ (je nach SD-Kartengröße und Händler) |
Fazit: Für wen lohnt sich der Brick Pro?
Der TrimUI Brick Pro ist ein Gerät mit zwei Gesichtern. Verarbeitung, Materialien, Display und die durchdachte Software CrossMix OS rechtfertigen an sich locker den Preis von rund 100 Euro – das Gesamtpaket wirkt richtig stimmig und hochwertig. Das Problem ist die Hardware darunter: Mit nur 1 GB RAM und einem schwachen Prozessor kann das Gerät sein größtes Alleinstellungsmerkmal, die zwei Hall-Effect-Analogsticks, ausgerechnet bei den Konsolen nicht ausspielen, bei denen sie am meisten bringen würden – N64, Dreamcast und PSP laufen eben nicht rund. Wer hauptsächlich bis PS1 zockt und Wert auf ein großes, scharfes Display sowie Top-Verarbeitung legt, bekommt hier ein wirklich schönes Gerät. Wer dagegen unbedingt auch anspruchsvollere Konsolen flüssig spielen möchte, sollte entweder gleich rund 50 Euro mehr in ein Mittelklasse-Gerät investieren oder aber, wenn Kompaktheit und Analogsticks für euch nicht so wichtig sind, einen Blick auf den günstigeren TrimUI Brick ohne Pro werfen.
Würdet ihr für den Brick Pro rund 100 Euro ausgeben, oder eher zu einem günstigeren Gerät greifen bzw. nochmal draufzahlen für mehr Performance?
Lasst uns darüber auf meinem Discord-Channel diskutieren.
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