Epomaker Hack70 im Test: Top Verarbeitung, aber reicht das?

Meine tägliche Tastatur ist seit einiger Zeit die Epomaker TH87 ISO-DE – für mich der perfekte „Sweet Spot“ aus Größe und Komfort, den ich mittlerweile in fast jedem Beitrag mal erwähne. Umso gespannter war ich auf die Epomaker Hack70, die designtechnisch einen komplett anderen Weg geht. Schon beim Auspacken merkt man: Das ist eine neue Design-Sprache bei Epomaker. Nur beim genaueren Hinsehen wird klar, dass diese Tastatur nicht für jeden gemacht ist.

(Transparenzhinweis: Das Testgerät wurde mir von Epomaker zur Verfügung gestellt. Es gab keinerlei Vorgaben, was ich sagen darf und was nicht, und für den Test wurde ich nicht bezahlt.)

Epomaker Hack70 Produktbild von oben
Bildquelle: Epomaker

Verarbeitung: Richtig hammer und sehr clean

Fangen wir mit dem an, was mich sofort überzeugt hat: Die Hack70 fühlt sich an wie ein spürbarer Sprung nach vorne bei Epomaker. Das Gehäuse ist runder, die Kanten sind sanfter, und selbst das Plastik fühlt sich hochwertiger an als bei den bisherigen Modellen, die ich getestet habe. Die Verarbeitung ist insgesamt top, und das cremig-weiße Design wirkt aufgeräumt und clean, ohne dabei langweilig zu sein.

Getestet habe ich die Variante mit den Creamy Jade Switches – linear, werkseitig geschmiert, mit einem angenehm tiefen, „cremigen“ Klang dank Gasket-Mount und mehrschichtiger Dämpfung. Leise Silent-Switches gibt es für die Hack70 leider nicht, was aber Geschmackssache ist. Da die Tastatur hot-swap-fähig ist, kann man bei Bedarf jederzeit auf andere 5-Pin-Switches umsteigen.


Das große Aber: Das ortholineare Layout

Und jetzt zum Kern dieses Reviews. Die Hack70 ist keine gewöhnliche Tastatur mit leicht ungewöhnlichem Layout – sie ist bewusst ortholinear aufgebaut. Das bedeutet: Alle Tasten sitzen exakt untereinander in geraden Spalten und Reihen, anstatt wie bei praktisch jeder anderen Tastatur von Reihe zu Reihe leicht versetzt zu sein. Epomaker begründet das damit, dass so das diagonale Greifen klassischer Layouts wegfällt und die Finger kürzere, geradere Wege zurücklegen – auf dem Papier soll das die Handgelenke bei langen Tipp-Sessions schonen.

In der Praxis war das für mich anfangs vor allem eins: übertrieben verwirrend. Man hat sich jahrzehntelang an das leicht versetzte Standard-Layout gewöhnt, und wenn plötzlich jede Taste exakt über der nächsten sitzt, vertippt man sich ständig. Wer nutzt so ein Layout freiwillig, war mein erster Gedanke beim Tippen. Ehrlicherweise muss man dazusagen: Andere Nutzer berichten, dass sie sich nach etwa einer Woche eingewöhnt haben und das Layout dann sogar zu schätzen wussten – bei mir persönlich hat sich dieser Groschen im Testzeitraum aber nicht gefallen.

Dazu kommt die geteilte Leertaste. Auch das ist kein Defekt, sondern Absicht: Über die VIA-Software lässt sich jede der beiden Hälften einzeln mit einer eigenen Funktion belegen, zum Beispiel um mit dem Daumen zwischen Ebenen zu wechseln. Nur nutze ich diese Möglichkeit im Alltag schlicht nicht, und so bleibt für mich vor allem die Frage: Warum ist die Leertaste geteilt?

Größenvergleich Epomaker Hack70 mit Logitech MX Keys Mini

Im direkten Größenvergleich mit meiner Logitech MX Keys Mini, die ich ebenfalls sehr gerne nutze, wird deutlich, wie kompakt die Hack70 tatsächlich ist – fast schon auf Augenhöhe mit der Mini. Nur eben mit einem komplett anderen Tipp-Gefühl, sobald die Finger auf den Tasten liegen.

Epomaker Hack70 mit RGB-Beleuchtung neben Logitech MX Keys Mini

Kein ISO-DE: Für deutsche Nutzer ein echtes Manko

Neben dem Layout gibt es noch einen zweiten, für mich schwerer wiegenden Kritikpunkt: Die Hack70 gibt es nicht im deutschen ISO-DE-Layout. Es bleibt beim amerikanischen ANSI-Layout mit QWERTY-Belegung, also ohne direkt beschriftete ü/ö/ä-Tasten und ohne die große, deutsche Enter-Taste. Wer wie ich an das deutsche Layout gewöhnt ist, muss sich entweder mit Tastenkombinationen behelfen oder eigene Keycaps besorgen. In Kombination mit dem ortholinearen Layout ist das für mich der Punkt, an dem die Hack70 vom spannenden Experiment zur echten Hürde im Alltag wird.


Technik: Hier stimmt fast alles

Abseits von Layout-Diskussionen ist die Hack70 technisch richtig stark aufgestellt. Über die VIA-Software lässt sich jede einzelne Taste frei neu belegen, inklusive der FN-Taste – so kann man zum Beispiel ein komplettes Nummernblock-Layout auf eine zweite Ebene legen und aus dem kompakten 65%-Format ein Full-Size-Werkzeug mit eigenen Shortcuts machen. Die Remaps werden im Onboard-Speicher gesichert und funktionieren so an jedem Rechner, ohne erneute Konfiguration.

Bei der Konnektivität gibt es Tri-Mode: 2,4 GHz, Bluetooth 3.0/5.0 und USB-C-Kabel, dazu volle Kompatibilität mit PS4/5, Xbox, Switch, Mac, Windows und Android. Der 2,4-GHz-Dongle lässt sich praktischerweise direkt im Gehäuse verstauen. Der 3000-mAh-Akku soll bei ausgeschalteter Beleuchtung bis zu 100 Stunden durchhalten, dazu kommt pro Taste einstellbares RGB mit mehreren Effekten.

Anschlüsse und Dongle-Fach der Epomaker Hack70

Lieferumfang

Im Karton liegen neben der Tastatur zusätzliche Mac-Modifikator-Tastenkappen, Ersatzschalter, ein 2-in-1 Switch- und Keycap-Puller, ein USB-A-zu-C-Kabel sowie eine Schnellstartanleitung – ein solides Rundum-Paket.

Lieferumfang der Epomaker Hack70

Epomaker Hack70 mit RGB-Beleuchtung, Produktbild
Bildquelle: Epomaker

Technische Daten der Epomaker Hack70 im Überblick

MerkmalSpezifikation
LayoutOrtholinear, 65%, 70 Tasten (nur ANSI, kein ISO-DE)
SwitchesEPOMAKER Creamy Jade (linear, werkseitig geschmiert)
Hot-SwapJa, kompatibel mit 5-Pin-Switches
KeycapsPBT Dye-Sub, XDA-Profil
MontageGasket-Mount
KonnektivitätTri-Mode (2,4GHz / Bluetooth / USB-C-Kabel)
Akku3000mAh, bis zu 100 Std. (Beleuchtung aus)
RGBPro Taste einstellbar, südseitige LEDs
SoftwareVIA (vollständig neu belegbar, inkl. FN)
Polling Rate1000Hz (Kabel/2,4GHz), 125Hz (Bluetooth)
Gewicht676g
Abmessungen30,24 × 11,85 × 3,95 cm
Preisca. 94€

Fazit: Für wen lohnt sich die Hack70?

Verarbeitung, Klang und Technik der Hack70 sind auf einem Niveau, das ich Epomaker so bisher noch nicht zugetraut hätte – hier hat sich spürbar was getan. Aber die Kombination aus ortholinearem Layout und fehlendem ISO-DE macht sie für mich zu einem Nischen-Produkt statt zu einem Alltags-Ersatz für meine TH87. Wer bereit ist, sich bewusst auf ein ungewohntes Tipp-Erlebnis einzulassen, mit dem US-Layout leben kann oder ohnehin eigene Keycaps plant, bekommt hier eine technisch richtig gute, kompakte Custom-Tastatur. Für alle anderen, die einfach eine kompakte, gut verarbeitete Tastatur im gewohnten deutschen Layout suchen, bleibt für mich persönlich weiterhin die TH87 die erste Wahl.

Wie steht ihr zu ortholinearen Layouts – Gewöhnungssache oder nichts für euch?
Lasst uns darüber auf meinem Discord-Channel diskutieren.

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