Steam Machine im Test: Das beste Gerät zum schlechtesten Zeitpunkt
Ich bin eigentlich nicht der Typ, der bei jedem neuen Gerät sofort in Euphorie ausbricht, aber bei der Steam Machine war das anders. Von der Ankündigung an war für mich klar: Das wird mein persönliches Gerät des Jahres 2026. Dann kam der Preis, und meine Zuversicht ist ziemlich schnell in sich zusammengefallen. Meine These für diesen Artikel: Die Steam Machine ist ein Gerät zur falschen Zeit am richtigen Ort. Ohne die aktuelle Speicherkrise wäre sie meiner Meinung nach unschlagbar gewesen. So aber ist daraus ein Gerät geworden, das ich euch nur mit einem Aber empfehlen kann. Warum das so ist, klären wir jetzt Schritt für Schritt.
(Transparenzhinweis: Diese Steam Machine wurde mir freundlicherweise von Steam Dad zur Verfügung gestellt. Es gab keinerlei Vorgaben, was ich sagen darf und was nicht, und für den Test wurde ich nicht bezahlt.)

Erster Eindruck
Packt man die Steam Machine aus, merkt man sofort: Das hier ist kein aufgeblasener Gaming-PC, sondern ein bewusst kompakter, fast schon niedlicher kleiner Würfel, komplett in Schwarz gehalten, mit einem dezenten, fast retro-konsolenhaften Charme, der mich ein bisschen an alte Nintendo-Hardware erinnert. Im Karton findet ihr wirklich nur die Konsole selbst, ein HDMI-Kabel und ein Stromkabel, mehr braucht ihr zum Anschließen auch nicht. Den Controller müsst ihr separat dazukaufen, das kostet dann noch einmal rund 80 Euro. Ein kleiner Kritikpunkt direkt zu Beginn: Die glatte Oberfläche zieht Fingerabdrücke geradezu magisch an.

Was ist die Steam Machine?
Im Grunde ist die Steam Machine ein klassischer PC, komplett auf das Wohnzimmer zugeschnitten. Ab Werk läuft hier kein Windows, sondern SteamOS, also genau das Linux-basierte Betriebssystem, das auch euer Steam Deck antreibt. Das Ergebnis ist eine sehr konsolenähnliche Plug-and-Play-Erfahrung: zwei Kabel hinten rein, einschalten, mit eurem Steam-Account einloggen, fertig. Habt ihr bereits eine große Steam-Bibliothek, könnt ihr sofort losspielen, ganz ohne euch in ein neues Ökosystem einkaufen zu müssen, ein großer struktureller Vorteil gegenüber einer klassischen neuen Konsole samt der ewigen Abwärtskompatibilitäts-Diskussion. Ihr könnt jederzeit in den Desktopmodus wechseln und die Steam Machine als ganz normalen Linux-Rechner mit KDE-Oberfläche nutzen. Auch Epic- oder GOG-Spiele lassen sich installieren, allerdings nicht mehr ganz so Plug-and-Play. Was aktuell gar nicht funktioniert: Game Pass läuft nicht, und viele Spiele mit Anticheat-Software starten unter Steam einfach nicht.

Technische Daten
| Feature | Details |
|---|---|
| CPU | AMD Semi-Custom-Chip, 6 Kerne / 12 Threads, bis 4,86 GHz |
| GPU | RDNA3, TDP-Support bis 110 Watt, 8 GB Grafikspeicher |
| RAM | 16 GB, Single Channel (erster Batch) |
| Speicher | 500 GB bis 2 TB, je nach Modell |
| Grafikleistung | knapp unterhalb einer RX 5700 XT |
| Betriebssystem | SteamOS (Linux-basiert) |
Zur groben Einordnung: Laut Benchmarks positioniert sich die verbaute GPU knapp unterhalb einer RX 5700 XT, in einzelnen Spielen wird dieses Niveau erreicht, aber nicht durchgehend. Ich würde euch empfehlen, gezielt nach Benchmarks zu den Spielen zu suchen, die euch persönlich interessieren.
Anschlüsse & Konnektivität
Bei den Anschlüssen ist die Steam Machine richtig gut ausgestattet. Vorne gibt es zwei USB-A-3.2-Anschlüsse und einen microSD-Kartenslot zur Speichererweiterung, dazu einen frei einstellbaren RGB-LED-Streifen, der euch zum Beispiel den Fortschritt eines laufenden Downloads anzeigen kann. Hinten warten weitere USB-A-Anschlüsse, ein USB-C-3.2-Anschluss, ein Gigabit-Ethernet-Anschluss, HDMI 2.1 sowie DisplayPort 1.4, auf dem Papier reicht das theoretisch für 4K bei bis zu 120 respektive 240 Hz. Dazu WLAN 6 und Bluetooth 5.3 sowie ein fest integrierter 2,4-GHz-Funkadapter für den Steam Controller, den müsst ihr also nicht zusätzlich anschließen.

Der Preis
Und hier kommen wir zu dem Thema, das mir persönlich am meisten die Vorfreude genommen hat. Die 512-GB-Variante kostet 1.039 Euro, die 2-TB-Version 1.359 Euro, bei Letzterer bekommt ihr zwei zusätzliche Frontblenden aus Walnussholz dazu. Wollt ihr den Steam Controller direkt mitbestellen, kommen noch einmal rund 70 Euro obendrauf. Über 1.000 Euro für eine Grafikleistung auf dem Niveau einer RX 5700 XT, das ist schwer verdaulich, und ich verstehe jeden, der sagt, dass er sich für das Geld selbst einen stärkeren PC bauen könnte. Der Haken dabei: Der Formfaktor. Die Steam Machine ist gerade einmal rund 3,8 Liter groß, ein vergleichbarer Eigenbau kommt schnell auf ein Vielfaches an Volumen. Und blickt man auf den aktuellen Handheld-Markt, relativiert sich der Preis noch einmal: Das MSI Claw 8 AI+ kostet aktuell rund 1.600 Euro, andere kommende Geräte mit ähnlichen neuen Chips werden teils über 2.000 Euro gehandelt. Wer bereits eine große Steam-Bibliothek besitzt, für den lohnt sich das schlichtweg: Online-Spielen kostet nichts extra, Abwärtskompatibilität ist kein Thema, und die Auswahl an günstigen Angeboten ist deutlich größer als bei klassischen Konsolen.
Gaming-Performance im Test
Bei Crimson Desert, Grafikpreset auf „filmisch“, läuft es mit knackigen 60 FPS, hier und da mal ein kleiner Dip, aber die Performance ist insgesamt grundsolide, und optisch sieht das richtig beeindruckend aus. Bei 4K wird es dagegen eng, da kratzt ihr nur an den 60 FPS.

Im Gothic 1 Remake läuft es bei nativer Auflösung und hohem Preset im Bereich von rund 35 FPS, mit mittleren Grafikeinstellungen sind es 40 bis 50 FPS, spielbar, aber nicht ganz so rund. Das liegt auch an der Unreal Engine, die performancemäßig nicht das Gelbe vom Ei ist. Bei Hollow Knight: Silksong zeigt sich dagegen, wie genügsam die Steam Machine bei weniger fordernden Spielen ist: Die CPU-Auslastung ist extrem niedrig, entsprechend niedrig bleiben Temperatur und Lautstärke.

Bei Pragmata bewegt sich die Framerate ohne Hochskalierung zwischen 45 und 60 FPS, auch in aufwendigeren Kampfszenen mit vielen Effekten bleibt das grafisch fantastisch. Bei Ghost of Tsushima mit hohem Preset erreicht ihr konstant 60 FPS, schraubt man die Grafik weiter hoch, landet ihr bei 45 bis 50 FPS, immer noch richtig gut. Mein Fazit zum Gaming: Nativ ist bei den meisten aktuellen Triple-A-Spielen maximal Full HD realistisch, mit Upscaling und mittleren Details ist WQHD in vielen Spielen noch gut machbar, 4K bleibt bei fordernden neuen Titeln eher die Ausnahme als die Regel.

SteamOS: Software im Alltag
Die Software kommt euch, wenn ihr das Steam Deck kennt, extrem vertraut vor. Eine richtig praktische, Steam-exklusive Einstellung: Unter den Anzeigeeinstellungen gibt es eine maximale Spielauflösung, standardmäßig auf Full HD gesetzt, die sich systemweit auf WQHD oder UHD hochsetzen und pro Spiel überschreiben lässt. Nach meinen Benchmarks würde ich euch empfehlen, systemweit bei Full HD zu bleiben und pro Spiel nachzujustieren. Dazu kommen die gewohnten Steam-Vorteile wie Cloud-Saves und Steam-Input-Profile pro Spiel, ganz ohne Zusatzgebühr für Cloud oder Online-Multiplayer. Beim Controller seid ihr nicht auf den Steam Controller festgelegt, auch Xbox-, PlayStation- und sogar Switch-Controller funktionieren. HDMI-CEC ist ein tolles Feature: Schaltet ihr die Steam Machine ein, geht bei mir automatisch auch der Fernseher mit an, und über dessen Fernbedienung lässt sich direkt in der Steam-Oberfläche navigieren.

Kritikpunkte
Neben dem Preis gibt es ein paar weitere Punkte, die ich euch nicht verschweigen möchte. Vorverkauf wurde offen mit 4K und 60 Bildern pro Sekunde mit FSR geworben, kurz vor Verkaufsstart wurde das auf der offiziellen Seite still und heimlich auf „bis zu 4K“ abgeändert, ein feiner, aber wichtiger Unterschied. Ursprünglich war wohl Dual-Channel-RAM geplant, im ersten Batch wurde aber vermutlich wegen der Speicherkrise nur ein einzelner Riegel verbaut, kommuniziert wurde das erst, nachdem Nutzer es selbst herausgefunden hatten. Immerhin lässt sich theoretisch selbst auf 32 GB aufrüsten. Der Verkaufsstart lief über ein Reservierungssystem mit Warteliste, das für einen offiziellen Produktlaunch ziemlich chaotisch wirkt, ich selbst warte trotz früher Reservierung immer noch auf meine Zahlungsaufforderung. Kleinere Alltagsnerven: Manchmal hängt der Spielstart ungewöhnlich lange am Steam-Logo, und der Schlafmodus funktioniert meistens, aber nicht immer zuverlässig.
Was mich überzeugt hat
Die Kühlung und Lautstärke sind richtig beeindruckend für so ein kleines Gehäuse: Selbst unter Volllast höre ich das Gerät kaum, und die Temperatur blieb in meinen Tests auch bei Dauerbelastung konstant unter kritischen Werten. Für mich ist das Gerät außerdem ein echter Pile-of-Shame-Killer: Die meisten von uns haben eine riesige Bibliothek an ungespielten Indie-Titeln und älteren Triple-A-Spielen, genau die laufen auf der Steam Machine praktisch immer flüssig, manchmal sogar in UHD mit hohen Details bei über 60 FPS. Dazu kommt maximale Controllerfreiheit, weil auch fremde Controller problemlos funktionieren, ihr seid also nicht auf teures Zubehör angewiesen. Der eigentliche Grund, warum die Steam Machine trotz des Preises eine Empfehlung wert ist: Sie liefert die bestmögliche konsolenähnliche Erfahrung für die eigene Steam-Bibliothek, etwas, das ein Handheld mit eGPU einfach nicht in dieser Eleganz hinbekommt.


Mein Fazit
Die Steam Machine ist nicht perfekt. Die Rohleistung ist nicht auf 4K-Gaming ausgelegt, das Gerät ersetzt keinen High-End-Gaming-PC, der Preis ist happig, und die Kommunikation rund um Marketingversprechen, RAM-Ausstattung und Verfügbarkeit hätte transparenter laufen können. Wer maximale Leistung pro Euro will oder unbedingt selbst an der Hardware herumschrauben möchte, ist mit einem Eigenbau besser beraten. Aber als das, was sie eigentlich sein will, eine kleine, leise, vorkonfigurierte Steam-Konsole fürs Wohnzimmer mit Zugriff auf eure komplette bestehende Steam-Bibliothek, hat sie mich wirklich überzeugt. Wer schon eine große Bibliothek hat, gerne Indie- und ältere Titel zockt und ein kompaktes, integriertes Gerät ohne Bastelaufwand will, kann hier wirklich glücklich werden. Am Ende bleibt für mich genau das Gefühl, mit dem ich gestartet bin: ein Gerät zur falschen Zeit am richtigen Ort. Ohne die Speicherkrise hätte die Steam Machine das Zeug gehabt, ein zweites Steam-Deck-Momentum auszulösen.
Was haltet ihr von der Steam Machine, welcher Preis hätte euch überzeugt?
Lasst uns darüber auf meinem Discord-Channel diskutieren.
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