Ayaneo Pocket Air Mini im Test: Premium-Gefühl im Budget-Bereich? | Review
Heute knöpfen wir uns den Ayaneo Pocket Air Mini vor. Auch wenn man es kaum glauben mag, es handelt sich hierbei tatsächlich um ein Budgetgerät aus dem Hause Ayaneo. Diese zwei Begriffe in einem Satz zu lesen, zeigt, in was für verrückten Zeiten wir auf dem Handheld-Markt leben.
Je nach Spezifikation und Bestellort liegt der Preis zwischen 100 und 150 €. Das Gerät ist quasi der perfekte Einstieg. Klar, dieser Handheld ist etwas teurer als andere Budget-Modelle, dafür bekommt man hier aber auch eine spürbare Qualität geliefert.
(Transparenzhinweis: Ich habe für diesen Test die 3-GB-Variante von Retro Gear kostenlos zur Verfügung gestellt bekommen. Retro Gear ist ein Händler aus den Niederlanden, was für euch handfeste Vorteile bringt: Es gibt keine versteckten Kosten, es fallen keine zusätzlichen Steuern an und ab einem gewissen Warenwert entfallen die Versandkosten. Hinzu kommt die einfache Handhabung von Garantiefällen, da euer Ansprechpartner ein Unternehmen aus der EU ist. Schaut euch das Gerät gerne direkt bei ihnen an: Ayaneo Pocket Air Mini bei Retro Gear.)


Die technischen Daten im Überblick
Bevor wir richtig vertieft einsteigen, gibt es hier einmal die technischen Eckdaten im Schnelldurchlauf:
- Prozessor: MediaTek Helio G99.
- Speichervarianten: Es gibt ein Modell mit 2 GB RAM und 32 GB internem Speicher sowie eines mit 3 GB RAM und 64 GB Speicher.
- Display: 4,2 Zoll großes LCD-Panel mit einer Auflösung von 960p (1280 x 960), 60 Hz und einem Seitenverhältnis von 4:3.
- Akku: 4500 mAh Kapazität, aufladbar mit 18 Watt.
- Anschlüsse: MicroSD-Kartenslot, Kopfhöreranschluss und USB-C.
- Wichtiges Detail: Der USB-C-Anschluss bietet leider keinen Video-Output, was in dieser Preisklasse meiner Meinung nach eigentlich ein No-Go ist.
[Platzhalter für ein Bild: Vorderseite des Ayaneo Pocket Air Mini mit eingeschaltetem Display]
Optik und Haptik: Weit entfernt vom billigen Plastikspielzeug
Wenn wir ehrlich sind, fühlen sich die meisten Handhelds unter 100 € oft an wie Spielzeug aus dem Kaugummiautomaten: knarzendes Plastik, schlechte Spaltmaße und klappernde Knöpfe. Ayaneo hat hier jedoch sein Know-how genommen und erfolgreich in ein Budgetgerät transferiert.
Optisch ist das Gerät eine klare Hommage an das originale Pocket Air. Die cremeweiße Basis gepaart mit den satten roten Akzenten an den Tasten und dem Steuerkreuz schreit förmlich nach Retro-Liebe. Das erste, was beim In-die-Hand-Nehmen auffällt, ist die matte, fast schon seidige Oberflächentextur. Es wurde kein billiges, glänzendes Hartplastik verbaut, das Fingerabdrücke magisch anzieht. Stattdessen liegt der Handheld wahnsinnig geschmeidig in der Hand und ist extrem resistent gegen Abdrücke.
Trotz des kompakten Formfaktors gibt es auf der Rückseite kleine, aber extrem effektive ergonomische Wölbungen. Das verhindert ein krampfartiges Halten, das man oft bei komplett flachen Retro-Handhelds erlebt. Mit 269 Gramm hat das Gerät genau das richtige Gewicht: schwer genug für ein Premium-Feeling, aber leicht genug für lange Zock-Sessions.


Eingabegeräte: Top-Qualität mit einem Design-Patzer
Ihr könnt das beste Display und den stärksten Chip haben – wenn das Steuerkreuz Müll ist, landet der Handheld in der Ecke. Gerade bei Retro-Games verzeiht man schlechte Eingaben nicht. Ayaneo hat hier jedoch richtig abgeliefert:
- D-Pad: Ein klassisches Steuerkreuz mit Gummimembran, das einen wahnsinnig schönen, weichen Widerstand bietet und satt zurückfedert, ohne hart aufs Gehäuse durchzuschlagen.
- Analogsticks: Ab Werk sind Hall-Effekt-Sticks verbaut – das bedeutet keinen mechanischen Verschleiß und keinen Stick-Drift. Sie haben einen weiten Bewegungsradius, fühlen sich hochwertig an und die Ringe darunter leuchten sogar für die RGB-Fans.
- Aktionstasten (ABXY): Sitzen ebenfalls auf einer Gummimembran, wackeln keinen Millimeter und haben einen extrem leichten Druckpunkt. Ein riesiger Pluspunkt: Sie sind flüsterleise, perfekt für abendliche Sessions im Bett. Sie sind vielleicht einen Ticken klein und liegen nah beieinander, aber das ist Meckern auf hohem Niveau.
- Schultertasten: Bieten einen smoothen und leisen Klick, der sehr befriedigend ist.

Leider ist nicht alles perfekt. Die Positionierung von Start und Select ist mehr als fragwürdig. Beide Tasten befinden sich auf der linken Seite unten. Oben wäre eigentlich genug Platz gewesen, und bei vielen Spielen, wo diese Tasten essenziell für Menüs oder Karten sind, ist die Bedienung an dieser Stelle extrem unbefriedigend.
Display und Audio
Das 4,2 Zoll große Display mit dem 4:3-Seitenverhältnis bietet verdammt gute Farben und Kontraste, auch wenn es natürlich kein OLED ist. Die Helligkeit von 500 Nits ist mehr als ausreichend. Besonders angenehm: Das Display lässt sich extrem dunkel einstellen (bei 0 % sieht man fast gar nichts mehr), was die Augen im Dunkeln schont.

Der Sound kommt aus zwei Stereo-Lautsprechern auf der Unterseite. Front-Facing-Speaker wären schöner, sind bei diesem Formfaktor aber platztechnisch schwierig. Sie werden schön laut, klingen aber ein kleines bisschen dumpf – für den Preis ist die Qualität jedoch angemessen.

Software: Android 11 trifft AYA Space
Unter der Haube läuft Android 11 mit der bekannten AYA Space Software. Neben den normalen Android-Einstellungen bietet die App zahlreiche Anpassungsmöglichkeiten. Ihr könnt Leistungsprofile wählen (Eco, Balance, Gaming, Max), wobei ich meistens im Gaming-Profil spiele, da der Unterschied nicht riesig ist. Zudem lassen sich die RGB-Beleuchtung, Deadzones und individuelle Tastenbelegungen anpassen. Über eine dedizierte Ayaneo-Taste kommt ihr jederzeit in ein Schnellmenü, um Dinge wie TDP oder Helligkeit zu steuern. Die Benutzeroberfläche (UI) bestätigt die gewohnt gute Ayaneo-Qualität.




Performance: Was schafft der kleine Kasten?
Für den aufgerufenen Preis ist die Performance erstaunlich gut. Der Mediatek Helio G99 bietet genug Power für eine Vielzahl an Konsolen:
- Klassiker (GB, GBA, SNES, Arcade): Funktionieren einwandfrei. Beim GBA hat man kleine schwarze Balken, aber durch das Upscaling auf 960p wird das Bild knackig scharf. SNES profitiert massiv vom 4:3-Format, da der Bildschirm komplett ausgefüllt wird, ohne den Prozessor auch nur ansatzweise auszureizen.
- PS1 & N64: Laufen in voller Geschwindigkeit und sehen hochskaliert fantastisch aus.
- PSP: Läuft großartig, teilweise mit dreifacher Auflösung. Sehr anspruchsvolle Titel können das Gerät an die Grenze bringen, aber der Großteil läuft tipptopp. Ein Wermutstropfen: Da PSP-Spiele im 16:9-Format vorliegen, müsst ihr auf dem 4:3-Screen mit dicken schwarzen Balken leben.
- Nintendo DS / 3DS: DS läuft super bei Single-Screen-Spielen, bei Dual-Screen wird die Darstellung recht klein. Bei 3DS wird es leistungstechnisch eng, hier heißt es Ausprobieren.
- GameCube & PS2: Hier stoßen wir an das obere Limit des Prozessors. Weniger anspruchsvolle Spiele laufen, wobei GameCube-Titel (wie The Legend of Zelda: The Wind Waker) besser funktionieren als PS2-Titel. Betrachtet diese beiden Konsolen einfach als netten Bonus, kauft das Gerät aber nicht primär dafür.



Der verbaute Lüfter zur aktiven Kühlung ist selbst auf höchster Stufe sehr leise, was extrem angenehm ist.
Die Akkulaufzeit variiert stark nach Auslastung: Bei einfacher Emulation und 50 % Helligkeit sind 7 bis 8 Stunden drin. Mittlere Auslastung (N64, PS1, PSP) bringt euch 6 bis 7 Stunden, und bei extremer Beanspruchung (GameCube/PS2 oder starkes Upscaling) kommt ihr auf etwa 4 Stunden.
Fazit: Für wen lohnt sich der Ayaneo Pocket Air Mini?
Kurzum: Ich bin extrem begeistert. Die Verarbeitungsqualität ist der Wahnsinn und fühlt sich nach einem teuren Premiumgerät an. Steuerkreuz, Tasten, Design und Akkulaufzeit schneiden hervorragend ab. Die Performance muss sich für rund 150 € ebenfalls nicht verstecken.
Es gibt jedoch auch Nachteile. Die Platzierung von Start und Select ist ein Design-Fehler. Zudem gibt es starke Konkurrenz, wie das vor kurzem vorgestellte Miyoo Mini Pocket 1. Das kostet mit knapp 70 € nur die Hälfte und bietet teilweise eine bessere Nutzererfahrung beim Betriebssystem. Dort müsst ihr dann allerdings auf PS2- und GameCube-Power verzichten (bis PSP reicht es aber).
Mein Rat: Wenn ihr einen extrem hochwertigen Handheld im 4:3-Format für PlayStation 1, N64 und SNES sucht, ist der Pocket Mini definitiv eine Überlegung wert. Wenn PlayStation 2, GameCube und PSP nicht zwingend erforderlich sind, gibt es günstigere Alternativen auf dem Markt.

Was sind eure Meinungen zum Ayaneo Pocket AIR Mini?
Lasst uns darüber auf meinem Discord-Channel diskutieren.
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