Review: Der AYN Thor im Härtetest – Der ultimative Dual-Screen Handheld?
Heute geht es um einen Handheld, den ich persönlich kaum noch aus der Hand lege: den AYN Thor. In der Szene bekommt dieses Clamshell-Gerät gerade so viel Aufmerksamkeit wie kaum ein zweites. Warum sind alle so begeistert? Wo liegen die Grenzen der Emulation? Und ist dieses Klapp-Monster das richtige Gerät für euch?
In diesem umfassenden Testbericht schauen wir uns die Hardware an und jagen das Gerät durch einen Parcours von Retro-Klassikern über 3DS bis hin zu Switch- und PS3-Spielen.
Das Gerät: Design, Haptik & der „Wow-Effekt“
Der erste Moment mit dem Thor ist besonders: Wenn man ihn aufklappt, hat man sofort diesen „Wow-Moment“. Es fühlt sich an, als würde man einen futuristischen Nintendo 3DS auspacken – es sieht einfach verdammt gut aus.



Er ist kompakt genug für die Jackentasche, aber groß genug, um bedienbar zu bleiben.
- Verarbeitung: Fühlt sich hochwertig an.
- Glasfront: Die Glasabdeckung sieht zwar edel aus, spiegelt aber extrem und ist ein Magnet für Fingerabdrücke.
- Ergonomie: Ohne den optionalen Grip wird es für große Hände auf Dauer krampfig.
- Scharnier-Hinweis: Bei mir funktioniert alles top, aber es gibt online Berichte über gebrochene Scharniere. Hier solltet ihr im Zweifelsfall den Support kontaktieren.
- Wärme: Unter Volllast wird das Gerät spürbar warm, aber nie kritisch heiß.


Technische Daten & Modelle
Den Thor gibt es in verschiedenen Varianten, was etwas verwirrend sein kann. Technisch sind alle auf hohem Niveau, aber die Preisspanne reicht von ca. 250 $(Lite) bis 450$ (Max).
| Merkmal | Thor Base / Pro / Max | Thor Lite |
| Prozessor (SoC) | Snapdragon 8 Gen 2 (4nm) | Snapdragon 865 (7nm) |
| GPU | Adreno 740 (@680MHz) | Adreno 650 (@587MHz) |
| Arbeitsspeicher (RAM) | 8GB / 12GB / 16GB (LPDDR5x) | 8GB (LPDDR4x) |
| Interner Speicher | 128GB / 256GB / 1TB (UFS 4.0) | 128GB (UFS 3.1) |
| Display (Haupt) | 6 Zoll AMOLED, 1080p, 120Hz | 6 Zoll AMOLED, 1080p, 120Hz |
| Display (Sekundär) | 3,92 Zoll AMOLED, 1080×1240, 60Hz | 3,92 Zoll AMOLED, 1080×1240, 60Hz |
| Konnektivität | Wi-Fi 7 + BT 5.3 | Wi-Fi 6 + BT 5.1 |
| Video-Ausgang | DisplayPort 4K @ 60Hz Alt Mode | DisplayPort 1080p Alt Mode |
| Akku & Laden | 6000mAh, 27 Watt Schnellladen | 6000mAh, 27 Watt Schnellladen |
| Kühlung | Aktive Kühlung | Aktive Kühlung |
| Maße & Gewicht | 150 x 94 x 25.6mm / 380g | 150 x 94 x 25.6mm / 380g |
Kurz gesagt: Wer „nur“ Retro-Konsolen bis hin zur PS2 oder GameCube emulieren will, kommt mit dem Lite (Snapdragon 865) und dem etwas langsameren UFS 3.1 Speicher super aus. Wer aber – wie in meinem Test – Switch-Spiele und PS3-Emulation anpeilt, sollte zwingend zu einem Modell mit Snapdragon 8 Gen 2 greifen, um von der stärkeren GPU und dem schnelleren UFS 4.0 Speicher zu profitieren. Auch das modernere Wi-Fi 7 ist ein Bonus für Game-Streaming bei den teureren Modellen. Für diesen Test nutze ich das Modell mit dem Snapdragon 8 Gen 2 und 12 GB RAM.
Software & Multitasking: Mehr als nur Gimmick
Viele fragen sich: Braucht man heute noch zwei Bildschirme? Meine Antwort: Ja! Die Software ist extrem durchdacht. Ihr könnt Apps frei zwischen oben und unten verschieben, Helligkeit separat regeln und Eingaben zuweisen. Nichts wirkt „dahingeklatscht“.
Meine liebsten Use-Cases:
- Oben Zocken, unten Musik: Das Spiel läuft auf dem Hauptscreen, unten steuert ihr eure Playlist.
- Oben Zocken, unten Guides: Ihr kommt nicht weiter? Öffnet unten einfach die Komplettlösung oder ein YouTube-Walkthrough, ohne das Spiel zu pausieren.
- Im Dunkeln: Einfach den unteren Screen ausschalten, um Akku zu sparen und weniger Licht zu haben.


Akkulaufzeit: Ein echter Dauerläufer
Was mich wirklich überrascht hat, ist die Effizienz. Trotz der zwei Screens sind die Laufzeiten enorm:
- Retro (NES, SNES, GB): Hier sind 10 bis 12 Stunden drin. Ein Traum für lange Reisen.
- Mid-Range (3DS, PSP, N64): Je nach Upscaling und Helligkeit schafft ihr 7 bis 10 Stunden.
- High-End (PS2, Switch, GameCube): Unter Volllast ist der Akku schneller leer, aber 3 bis 6 Stunden sind immer noch ein sehr starker Wert.
Emulation: Von Retro bis PC-Gaming – Die Paradedisziplin
Bevor wir zu den ganz schweren Geschützen kommen, schauen wir uns an, wofür dieses Gerät eigentlich geboren wurde.
1. DS und 3DS: Besser als das Original?
Das Gerät ist prädestiniert für DS- und 3DS-Spiele. Endlich müsst ihr die Bildschirme nicht nebeneinander quetschen, sondern habt sie wie beim Original untereinander.
- Erlebnis: Es fühlt sich nativ an – teilweise sogar besser als auf der Original-Hardware, da wir hier zwei AMOLED-Panels haben. Die Farben knallen richtig.
- Performance: Läuft perfekt. Upscaling funktioniert tadellos und die Spiele sehen gestochen scharf aus.

2. Retro-Klassiker (NES, SNES, GB, PS1)
Hier muss man nicht viele Worte verlieren: Das läuft alles einwandfrei. Ihr könnt Upscaling nutzen, Shader drüberlegen – der Thor langweilt sich dabei fast.

3. N64 & PSP
Auch hier: Alles läuft ohne Probleme. Besonders PSP-Spiele könnt ihr bis auf 1080p hochskalieren. Auf dem OLED-Screen ist das ein absoluter Augenschmaus.
4. GameCube & PS2
Mit dem Snapdragon 8 Gen 2 könnt ihr hier richtig „reinhauen“. Upscaling betreiben noch und nöcher – die Spiele laufen butterweich und sehen fantastisch aus. Selbst die Lite-Version mit dem SD865 schafft das meiste davon problemlos.

5. Wii U (Experimentell)
Die Wii U Emulation ist noch experimentell, aber dank des zweiten Screens (für das GamePad) natürlich extrem interessant auf dem Thor.
- Tipp: Einige Spiele funktionieren gut, wenn ihr die Auflösung ein bisschen runterskaliert. Es ist kein „Plug & Play“, aber machbar.

6. PC-Gaming auf dem Handheld
Ein Punkt, der oft vergessen wird: Dank der brachialen Leistung des Snapdragon 8 Gen 2 und Apps wie Winlator oder Epic Game Hub könnt ihr sogar PC-Spiele zocken. Selbst einige Triple-A Titel sind spielbar, Indie-Games laufen meist problemlos.
- Achtung: PC-Spiele fressen unfassbar viel Speicherplatz. Plant hierfür unbedingt eine große SD-Karte ein.
Emulation im Härtetest – Nintendo Switch Emulation
Der Snapdragon 8 Gen 2 ist ein Biest, aber wie schlägt er sich bei der Switch-Emulation? Da einige Emulatoren aus dem Verkehr gezogen wurden, ist die Software-Situation etwas „frickelig“, aber die Ergebnisse sind teils atemberaubend.
Die Highlights
Ich habe 40 Spiele getestet. Hier sind einige Highlights.
- Super Mario Odyssey: Läuft butterweich mit konstanten 60 FPS. Ein absoluter Genuss auf dem AMOLED-Screen.
- Animal Crossing: Fantastische Optik, stabile Performance.
- Cuphead & Prince of Persia The Lost Crown: Beide erreichen spielend die 60 FPS Marke ohne Ruckler.
- Red Dead Redemption 1: Läuft überraschend flüssig mit 40-50 FPS.

Wo es hakt
Nicht alles ist Gold, was glänzt. Einige Titel machen Probleme, was oft eher am Emulator als an der Hardware liegt:
- Hogwarts Legacy: Es läuft zwar irgendwie, aber mit extremen Grafik-Glitches (falsche Farben, fehlende Texturen). Aktuell unspielbar.
- Super Mario Galaxy: Leider starke Ruckler, trotz theoretisch hoher FPS-Anzeige.
- Avatar: Ein reines Grafik-Feuerwerk – im negativen Sinne. Unspielbar.
Fazit zur Switch: Wenn das Spiel kompatibel ist, liefert der AYN Thor eine Performance ab, die der Original-Hardware teilweise überlegen ist (dank OLED und Upscaling). Es bleibt aber ein „Trial and Error“-Spiel. Für mehr Details könnt ihr euch gerne das oben eingebettete Video von mir anschauen.
Emulation im Härtetest – PlayStation 3 auf einem Handheld?
Jetzt wird es wild. PS3-Emulation auf Android (via RPCSX) ist noch „Work in Progress“. Trotzdem wollte ich wissen: Geht da was?
Was funktioniert?
Es ist erstaunlich, aber einige Titel sind tatsächlich spielbar:
- Demon’s Souls: Mit den richtigen Einstellungen (Write Buffer an) erreicht man ca. 30 FPS. Es gibt Ruckler, aber es ist spielbar!
- Persona 4: Läuft einwandfrei.
- Rayman Origins & Earthworm Jim HD: Konstante 60 FPS, keine Probleme.
- Street Fighter 2 HD Remix: Läuft perfekt.

Die Grenzen
Viele Triple-A Titel der PS3-Ära bringen den Emulator zum Absturz:
- GTA San Andreas (PS3 Version): Stürzt im Ladebildschirm ab (obwohl es bei anderen Usern angeblich läuft).
- God of War & Skate 3: Aktuell noch zu instabil oder crasht sofort.
Ein weiterer Punkt ist der Speicherplatz: PS3-Spiele sind riesig. Allein die Installationsdaten und Caches fressen schnell 50-80 GB pro Spiel. Ihr braucht also eine große SD-Karte.
Gesamtfazit: Für wen ist der AYN Thor?
Der AYN Thor definiert eine Nische neu. Er ist nicht perfekt für jeden, aber für Fans von DS/3DS und Multitasking gibt es aktuell nichts Besseres.
Hier sind meine Pro- und Contra-Punkte in der Übersicht:
| Das hat mir gefallen (Pro) | Das hat mir nicht gefallen (Contra) |
| Geniales Dual-AMOLED-Display: Perfekt für DS/3DS Emulation und bietet brillante Farben. | Spiegelnde Glasfront: Sieht edel aus, zieht aber Fingerabdrücke magisch an und spiegelt stark. |
| Enorme Leistung: Der Snapdragon 8 Gen 2 wuppt Retro-Konsolen spielend und schafft sogar viele Switch-Titel. | Ergonomie: Das Gerät ist sehr kompakt; ohne den optionalen Grip wird es für große Hände auf Dauer krampfig. |
| Hochwertige Steuerung: Dank Hall-Effekt-Sticks müsst ihr keine Angst vor Stick-Drift haben. | Frickel-Faktor: High-End Emulation (Switch/PS3) läuft nicht „Out of the Box“ – hier sind Geduld und Konfiguration nötig. |
| Starke Akkulaufzeit: Bis zu 10-12 Stunden bei Retro-Games und immerhin 3-6 Stunden bei High-End-Last. | Hoher Preis: Besonders das Max-Modell mit viel Speicher reißt ein ordentliches Loch in den Geldbeutel. |
| Kompaktes Design: Durch den Klappmechanismus sind die Screens beim Transport automatisch geschützt. |
Mein Urteil: Wer primär DS und 3DS in bestmöglicher Qualität spielen will und gleichzeitig genug Power für PS2, GameCube und ausgewählte Switch-Titel in der Tasche haben möchte, kommt am AYN Thor nicht vorbei. Es ist vielleicht der vielseitigste Android-Handheld der letzten Jahre.
Was haltet ihr vom AYN Thor?
Lasst uns darüber auf meinem Discord-Channel diskutieren.
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