Analogue 3D im Test: Wunderschöne Hardware, aber verschenktes Potenzial?

Das Analogue 3D war eines der am sehnlichsten erwarteten Geräte in der Retro-Community. Das Versprechen klang fast zu gut, um wahr zu sein: Eine moderne Neuinterpretation des Nintendo 64, basierend auf FPGA-Technologie, mit 4K-Auflösung und ohne den Input-Lag klassischer Emulation.

Nach zwei Wochen intensiver Nutzung hinterlässt das Gerät bei mir gemischte Gefühle. Um es klar zu sagen: Die Hardware ist an sich fantastisch. Es sieht edel aus, es fühlt sich wertig an und wenn man im Spiel ist, ist das Erlebnis grandios. Doch genau deshalb tut es so weh, dass Analogue hier durch fragwürdige Entscheidungen beim Lieferumfang und der Software so viel Potenzial liegen lässt. Mit ein paar kleinen Anpassungen hätte das hier der absolute „Mega-Hammer“ werden können.

Hinweis zur Transparenz: Dieses Gerät wurde mir nicht gestellt. Ich habe es regulär gekauft und den vollen Preis bezahlt. Dieser Bericht spiegelt meine eigene, unbeeinflusste Meinung wider.

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Bildquelle: Analogue

Design & Haptik: Ein echtes Premium-Gefühl

Fangen wir mit dem Positiven an, denn das Analogue 3D ist ein Schmuckstück. Ihr habt beim Kauf die Wahl zwischen zwei schlichten, aber edlen Farbvarianten: Schwarz und Weiß. Ein kleiner Wermutstropfen: Die schicken Limited Editions (z. B. in Gold oder im transparenten Look) sind leider nicht mehr verfügbar und waren ruckzuck vergriffen.

Schon die Verpackung fühlt sich samtig und hochwertig an. Die Konsole selbst ist eine wunderschöne, moderne Hommage an das N64-Design. Es wirkt nicht wie billiges Spielzeug, sondern wie ein Stück Hi-Fi-Technik, das man sich gerne ins Wohnzimmer stellt. Hier gibt es absolut nichts zu meckern – Analogue weiß einfach, wie man schöne Hardware baut.

Preis, Kostenfalle & Lieferumfang

Die Ernüchterung setzt leider ein, wenn man auf den Inhalt der Box schaut – und dann auf die tatsächliche Endabrechnung. Viele lassen sich vom Dollar-Preis auf der Website täuschen, aber wir müssen hier ehrlich rechnen.

Die Kostenrechnung: Der Preis inklusive Versand liegt bei ca. 320 $. Doch das ist nicht der Endpreis, der von eurem Konto abgeht.

  1. Umrechnung: 320 $ entsprechen aktuell ca. 305 €.
  2. Steuern: Darauf kommen an der Haustür 19% Einfuhrumsatzsteuer (ca. 58 €).
  3. Gebühren: Der Logistiker nimmt zusätzlich eine Bearbeitungsgebühr (Auslagepauschale) von ca. 10 € bis 15 €.

Gesamtpreis: Ihr landet also nicht bei 300 €, sondern effektiv bei ca. 375 € bis 380 € – nur für die Konsole!

Und was bekommt man für knapp 380 €?

  • Die Konsole
  • Ein Netzteil (bei mir fehlte leider der Adapter)
  • USB-Kabel

Das war es. Und hier liegt mein Hauptkritikpunkt beim Preis-Leistungs-Verhältnis: Für diesen Premium-Preis hätte ich ein „Rundum-sorglos-Paket“ erwartet. Dass man für diesen Preis ein Gerät erhält, mit dem man „Out of the Box“ nicht sofort loslegen kann (weil Controller fehlen), ist eine verpasste Chance.

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Die Controller-Situation: Warum so kompliziert?

Das Analogue 3D kommt ohne Controller. Das ist bei Analogue zwar üblich, aber hier besonders schmerzhaft, da die Kompatibilität sehr eingeschränkt ist. Das Gerät akzeptiert primär:

  1. Originale, kabelgebundene N64-Controller.
  2. Den spezifischen 8BitDo N64-Controller.
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Bildquelle: Amazon

Ein kleiner Lichtblick: Immerhin müsst ihr den 8BitDo Controller (ca. 40 €) nicht auch noch teuer importieren. Den gibt es ganz regulär in Deutschland zu kaufen, beispielsweise bequem über Amazon.

Meine Hoffnung, einfach meine vorhandenen Bluetooth-Controller (Xbox/PlayStation) zu koppeln, wurde enttäuscht. Das funktioniert ab Werk nicht. Ich musste mir erst einen separaten Adapter besorgen, um meine Controller nutzen zu können.

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Meine Meinung: Bei einem Gerät dieser Preisklasse wäre eine offenere Bluetooth-Unterstützung oder ein beiliegender Controller das i-Tüpfelchen gewesen, das den hohen Preis gerechtfertigt hätte. So fühlt es sich an, als würden künstliche Hürden aufgebaut.

Technik & Gameplay: Wenn es läuft, dann läuft es genial

Sobald man die Hürden der Einrichtung überwunden hat, zeigt das Analogue 3D, was in ihm steckt. Dank FPGA-Technologie wird das N64 auf Hardware-Ebene simuliert.

  • Lag-frei: Das Spielgefühl ist extrem direkt und authentisch.
  • Region Free: Alles wird anstandslos abgespielt.
  • Bildqualität: Analogue wirbt mit 4K und speziellen CRT-Modi, die den Look alter Röhrenfernseher perfekt imitieren. (Hinweis: In meinem Test hatte ich Probleme, den 4K-Modus zu erzwingen, mein Monitor blieb bei 1080p – aber selbst da sah das Bild knackig aus).

Schade ist nur, dass das System (aktuell) geschlossen ist. Anders als bei anderen FPGA-Konsolen kann man hier keine „Cores“ für GameBoy oder SNES installieren. Man kauft hier also eine reine N64-Maschine. Ein „Open FPGA“-Ansatz hätte den Wert des Gerätes massiv gesteigert.

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Usability: Die kleinen Details

Es sind oft die Kleinigkeiten, die den Unterschied zwischen „Gut“ und „Perfekt“ machen.

  • Updates: Trotz WiFi an Bord funktionierten OTA-Updates bei mir anfangs nicht. Der Weg über die SD-Karte am PC wirkt etwas altbacken.
  • SD-Slot: Der Slot hat keinen Federmechanismus. Das Herausziehen der Karte ist fummelig.

Das sind keine Dealbreaker, aber bei einem Gerät dieser Preisklasse erwartet man einfach Perfektion bis ins letzte Detail.

Technische Spezifikationen

Hier die Übersicht, was das Gerät unter der Haube hat:

KategorieDetails
Funktionen• Integriertes Expansion Pak & Memory Pak
• 3DOS Dual-Band WiFi + OTA Wireless Updates
• Bluetooth Classic und LE
• Unterstützung für 4 Spieler (kabellos & kabelgebunden)
• 4 Controller-Ports im Originalstil
• 2 USB-A Ports (Laden & kabelgebundene Unterstützung)
• 16GB SD-Karte (vorinstalliert)
• USB-C Stromeingang
Video• 4K HDMI-Ausgang
• NTSC & PAL Unterstützung
• Lag-frei, keine Signalverschlechterung
• Original Display-Modi (CRT & PVM Modelle)
• Variable Bildwiederholfrequenz (VRR)
Audio• 48KHz 16-bit PCM Audio
Kompatibilität• Original N64 Spielmodule
• Original Controller und Zubehör
• Modulschacht im Original N64-Stil
• Region Free (spielt Spiele aus allen Regionen)
Abmessungen & GewichtLänge: 180mm
Breite: 230mm
Höhe: 49mm
Gewicht: 837g
Lieferumfang• Analogue3D Konsole
• 16GB SD-Karte (vorinstalliert)
• HDMI-Kabel
• USB-Kabel
• Weltweites USB-C Netzteil [GaN, PD 3.0, 30W, 100-240V, 50/60Hz, USA/JPN Stecker]
8BitDo 64 ControllerHinweis: Separat erhältlich ($39.99), nicht im Lieferumfang enthalten
• Hall-Effekt Joystick
• Update direkt über Analogue3D System (kabelgebunden)
• D-Input und S-Input Modi
• Vibrationsunterstützung
• Kompatibel mit: Analogue3D, Switch, Windows, Android
Quelle: Analogue

Fazit: So knapp an der Perfektion vorbei!

Das Analogue 3D ist ein faszinierendes Stück Technik. Es ist wunderschön designed, wertig verarbeitet und bietet – sobald alles eingerichtet ist – wahrscheinlich die beste Art, originale N64-Module auf einem modernen TV zu spielen.

Aber: Das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt für mich noch nicht ganz. Für den aufgerufenen Preis (inklusive Import knapp 380 €) hätte ich erwartet, dass entweder ein Controller beiliegt, Bluetooth offener gestaltet ist oder das System „Open FPGA“ bietet.

Wer das nötige Kleingeld hat und die ultimative, ästhetische N64-Lösung sucht, wird hier glücklich werden – egal ob in Schwarz oder Weiß. Für alle anderen bleibt das Gefühl: „Mensch, mit ein paar kleinen Anpassungen wäre das die ultimative Retro-Maschine geworden!“ Es ist ein gutes Gerät, das sich durch seine Preispolitik und Geschlossenheit leider selbst ein wenig im Weg steht.

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Wie seht ihr das? Was haltet ihr vom Analogue 3D?
Lasst uns darüber auf meinem Discord-Channel diskutieren.

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