Epomaker HE75 V2 im Test: Starke Hall-Effect-Technik, aber der Sound enttäuscht

Die Epomaker HE75 V2 ist auf dem Papier eigentlich genau mein Ding: Hall-Effect-Switches, 8000 Hz Polling Rate, Tri-Mode, austauschbarer Drehregler, Hot-Swap. Trotzdem tue ich mich bei dieser Tastatur schwerer als sonst mit einem klaren Urteil – denn ein paar Dinge, die Epomaker groß bewirbt, haben bei mir im Alltag einfach nicht gezündet. Nach der Hack70 und der TH65 ist das jetzt die dritte Epomaker in Folge, bei der meine TH87 ISO-DE am Ende trotzdem auf dem Schreibtisch bleibt.

(Transparenzhinweis: Das Testgerät wurde mir von Epomaker zur Verfügung gestellt. Es gab keinerlei Vorgaben, was ich sagen darf und was nicht, und für den Test wurde ich nicht bezahlt.)

Verpackung der Epomaker HE75 V2
75%-Layout, Hall Effect, Tri-Mode und Drehregler – die Verpackung fasst es zusammen

Lieferumfang

Im Karton liegen neben der Tastatur ein abnehmbares USB-A-auf-USB-C-Kabel, ein 2-in-1-Puller für Switches und Keycaps, vier zusätzliche Creamy-Jade-Switches sowie zwei Ersatz-Keycaps (Insert und Print), mit denen sich der Drehregler ersetzen lässt. Dazu kommen eine mehrsprachige Kurzanleitung und die übliche Produktkarte. Der 2,4-GHz-Dongle steckt nicht lose im Karton, sondern ist unter dem linken Standfuß verstaut – clever gelöst, aber man muss erst mal wissen, dass er dort sitzt.

Lieferumfang der Epomaker HE75 V2 mit Ersatzswitches, Keycaps, Puller und Kabel
Ersatz-Switches, die beiden Keycaps für den Drehregler-Slot, Puller, Kabel und Anleitung
Fach für den 2,4-GHz-Dongle unter dem Standfuß der Epomaker HE75 V2
Der 2,4-GHz-Dongle sitzt versteckt unter dem linken Standfuß

Design: Schwarz wirkt günstiger, als es sollte

Und hier fängt es an, kompliziert zu werden. Die HE75 V2 setzt auf durchsichtige Keycaps aus mattiertem PC-Kunststoff – ein Look, den ich grundsätzlich mag, und der mit eingeschalteter Beleuchtung auch richtig gut aussieht.

Epomaker HE75 V2 in Schwarz mit blauer RGB-Beleuchtung
Epomaker HE75 V2 mit Regenbogen-RGB-Effekt
Mit RGB sieht die Tastatur gut aus – das Licht scheint sauber durch die transparenten Tastenkappen

Das Problem: In der schwarzen Variante wirkt das Ganze für mich nicht so hochwertig, wie es sollte. Man schaut durch die Tastenkappen relativ deutlich hindurch und sieht dahinter die Switch-Mechanik – und in Kombination mit dem ABS-Gehäuse (Aluminium gibt es hier nicht) sieht das schnell eine Ecke billiger aus, als der Preis vermuten lässt. Das ist wirklich Geschmackssache, aber mich hat es gestört.


Die weiße Version sieht deutlich cooler aus

Falls ihr mit der HE75 V2 liebäugelt: Schaut euch unbedingt die weiße Variante an. Da funktioniert genau derselbe Transparenz-Look für mich plötzlich viel besser – die durchsichtigen Keycaps wirken auf dem hellen Gehäuse frisch und sauber statt billig, und die RGB-Beleuchtung kommt spürbar besser zur Geltung. Preislich nehmen sich beide Varianten nichts, es ist also reine Optik-Entscheidung. Wäre meine Wahl ganz klar.

Epomaker HE75 V2 in Weiß mit RGB-Beleuchtung
Bildquelle: Epomaker
Epomaker HE75 V2 in Weiß aus der Seitenansicht
Bildquelle: Epomaker

Kristall-Lichtleiste: Hingucker oder zu viel?

Neben der Tastenbeleuchtung hat die HE75 V2 noch eine dreiseitige Ambient-Lichtleiste an der hinteren und den seitlichen Kanten. Die ist mit einer facettierten Struktur versehen, sodass das Licht darin kristallartig gebrochen wird – Epomaker beschreibt das selbst als „kristallartige Reflexionen“.

Kristallartige RGB-Lichtleiste an der Seite der Epomaker HE75 V2
Die facettierte Lichtleiste an der Seitenkante – der Kristall-Effekt ist hier gut zu sehen

Ganz ehrlich: Das ist absolute Geschmackssache, und meins ist es nicht. Mir ist der Effekt zu auffällig, gerade weil er über drei Kanten läuft und dadurch fast schon in Richtung Deko-Beleuchtung geht. Wer sein Setup ohnehin bunt aufbaut, wird das vermutlich genau umgekehrt sehen – deshalb ist das für mich kein echter Kritikpunkt, sondern eher eine Warnung: Schaut euch vorher an, wie dominant das im eingeschalteten Zustand wirkt.

Rückseite der Epomaker HE75 V2 mit USB-C-Anschluss, Modus-Schalter und Lichtleiste
An der Rückkante sitzen USB-C-Port und Modus-Schalter, eingerahmt von der Lichtleiste

Austauschbarer Drehregler

Ein Feature, das ich richtig charmant finde: Der Drehregler ist modular. Wer ihn nicht braucht, zieht ihn einfach heraus und setzt stattdessen die beiden mitgelieferten Keycaps ein – aus dem Lautstärkerad werden dann zwei ganz normale Tasten, die sich zum Beispiel mit Makros oder Hotkeys belegen lassen. Das ist eine der Ideen, bei denen Epomaker einfach konsequent mitdenkt.

Der austauschbare Drehregler der Epomaker HE75 V2 lässt sich gegen zwei Tasten tauschen
Bildquelle: Epomaker

Layout: Für mich zu gequetscht

Das 75%-Layout bringt die F-Reihe und einen Navigationsblock unter, ohne dabei viel Platz zu kosten – auf dem Papier ein guter Kompromiss. In der Praxis fühlt sich das für mich aber gequetscht an: Die Tasten stehen sehr eng beieinander, der rechte Block mit Delete, PgUp und PgDn klebt direkt an Backspace und Enter, und ich habe mich beim Tippen regelmäßig vergriffen.

Das ist der Punkt, an dem für mich wieder meine TH87 ISO-DE gewinnt – und zwar nicht nur wegen des Layouts, sondern auch vom Gefühl her. Das TKL-Format lässt den Tasten einfach mehr Luft, ohne wirklich viel mehr Platz auf dem Schreibtisch zu brauchen. Wer bereits mit 75%-Boards arbeitet und die Enge gewohnt ist, wird das entspannter sehen.


Der Sound: Hier passt Werbung und Realität nicht zusammen

Das ist mein größter Kritikpunkt. Epomaker bewirbt die HE75 V2 ausdrücklich mit einem „creamy und thocky“ Klang – auf der Produktseite ist von einem „marmorartigen, cremigen Klang“ die Rede, ermöglicht durch Gasket-Mount und ein 5-lagiges Dämpfungssystem.

Bei mir kam davon nichts an. Der Anschlag klingt nicht cremig, sondern schlicht dumpf – irgendwie flach und leblos, fast so, als würde die Dämpfung zu viel schlucken statt den Klang zu formen. Das ist kein Rasseln und kein hohler Hall, es klingt einfach nur… komisch. Genau der satte, tiefe „Thock“, den man bei anderen Gasket-Boards bekommt und den Epomaker hier auch verspricht, fehlt. Und weil das ein Punkt ist, den man weder per Software noch mit dem Standfuß korrigieren kann, wiegt er für mich schwerer als alles andere auf dieser Liste. Immerhin: Dank Hot-Swap könnt ihr mit anderen Switches gegensteuern – ganz wegbekommen wird man den Gehäuse-Charakter damit aber nicht.


Technik: Hier liefert Epomaker wie gewohnt ab

So kritisch ich bei Optik, Layout und Sound bin – bei der Technik gibt es kaum etwas zu meckern. Die HE75 V2 nutzt Hall-Effect-Switches (Creamy Jade HE) und damit die komplette Magnetschalter-Trickkiste: Der Auslösepunkt lässt sich in 0,005-mm-Schritten zwischen 0,1 und 3,5 mm einstellen, dazu kommen Rapid Trigger, SOCD, Dynamic Keystrokes und Mod-Tap. Wer kompetitiv spielt, bekommt hier alles, was aktuell Standard ist.

Bei der Konnektivität gibt es typisch Epomaker die volle Auswahl: 2,4 GHz, Bluetooth (bis zu drei Geräte) und Kabel. Die Polling Rate liegt per Kabel und 2,4 GHz bei 8000 Hz, die Latenz bei 0,1 ms – im Bluetooth-Modus sind es allerdings nur 125 Hz und 15 ms, das ist dann eher der Office-Modus. Konfiguriert wird über die Epomaker-Software, die Platine ist hot-swap-fähig.

Der Akku ist mit 8000 mAh riesig, hält mit eingeschalteter RGB-Beleuchtung laut Hersteller aber trotzdem nur rund 20 Stunden – die Beleuchtung frisst hier ordentlich. Wer die Lichtleiste und die Tastenbeleuchtung ausschaltet, kommt entsprechend deutlich weiter.

Rückseite der Epomaker HE75 V2 mit Typenschild und Standfüßen
Auf der Unterseite: Typenschild, die zweistufigen Standfüße und das Dongle-Fach

Kein ISO-DE-Layout

Auch bei der HE75 V2 gilt wieder, was mittlerweile fast schon zum Standardsatz in meinen Epomaker-Reviews geworden ist: Es gibt sie nur im amerikanischen ANSI-Layout. Keine ü/ö/ä-Tasten, keine große deutsche Enter-Taste. Für ein reines Gaming-Board ist das verkraftbar, wer damit aber auch schreibt oder arbeitet, sollte das vorher wissen – und findet im Zweifel bei Epomaker selbst Modelle mit echtem ISO-DE-Layout.


Technische Daten der Epomaker HE75 V2 im Überblick

MerkmalSpezifikation
Layout75%, 80 Tasten + Drehregler (nur ANSI-US, kein ISO-DE)
SwitchesEpomaker Creamy Jade Hall Effect (30–55 gf, werkseitig geschmiert)
Auslösepunkt0,1–3,5 mm, in 0,005-mm-Schritten einstellbar
Gaming-FeaturesRapid Trigger, SOCD, Dynamic Keystrokes, Mod-Tap
Polling Rate8000 Hz (Kabel/2,4 GHz), 125 Hz (Bluetooth)
Latenz0,1 ms (Kabel), 0,58 ms (2,4 GHz), 15 ms (Bluetooth)
Konnektivität2,4 GHz / Bluetooth (3 Geräte) / USB-C
Hot-SwapJa (kompatible Hall-Effect-Switches)
KeycapsPC, matt transparent, Cherry-Profil
GehäuseABS-Kunststoff, Gasket-Mount, FR4-Plate
Dämpfung5-Schicht-System (Sandwich Foam, PET-Soundpad, Schaumstoff, Silikonboden)
RGBPro Taste (south-facing) + dreiseitige Ambient-Lichtleiste
Akku8000 mAh, ca. 20 Std. mit RGB
Tippwinkel5,8°, 9° und 12° (zweistufiger Standfuß)
Abmessungen32,4 × 13,2 × 4,3 cm
Gewichtca. 1 kg
FarbenSchwarz, Weiß
Preisca. 94 €

Fazit: Technisch stark, aber sie holt mich nicht ab

Die Epomaker HE75 V2 ist keine schlechte Tastatur – im Gegenteil. Das Hall-Effect-Paket mit 0,005-mm-Auslösepunkt, Rapid Trigger, SOCD und 8000 Hz ist für rund 94 Euro absolut konkurrenzfähig, die Tri-Mode-Anbindung und der austauschbare Drehregler sind typisch durchdachte Epomaker-Features.

Nur springt bei mir der Funke trotzdem nicht über. Das enge 75%-Layout, die für meinen Geschmack zu präsente Kristall-Lichtleiste, das in Schwarz eher günstig wirkende Erscheinungsbild – das alles ist Geschmackssache und kann bei euch komplett anders ausfallen. Der dumpfe Klang ist es aber nicht, und ausgerechnet der steht im direkten Widerspruch zu dem, was Epomaker selbst bewirbt. Wenn ihr mit dem Gedanken spielt: Nehmt die weiße Variante, und hört sie euch vorher irgendwo an.

Wie steht ihr zu 75%-Layouts – guter Kompromiss oder zu eng?
Lasst uns darüber auf meinem Discord-Channel diskutieren.

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